Aufsatz 
Friedrich der Grosse und Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau / von Paul Stettiner
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als er vor Osterreichern Hochamt abhielt, den schwarzen Adlerorden abgelegt habe.¹) Wäre dies seine einzige Schuld, so hatte er wahrlich nicht den Zorn eines Königs zu fürchten, der ihm weit schwerer wiegende Vergehen verzieben hatte.

Schaffgotsch begab sich über Wien nach Rom an den Hof von Benedikt XIV.²) Er hatte hier um so weniger zu fürchten, als Benedikt durchaus auf Seite der Feinde Friedrichs war, da man es verstanden hatte, die Katholiken von der Gefährdung ihres Glaubens durch Siege Friedrichs zu überzeugen. Benedikt hielt seinem Schreiben gemäss die Ernennung eines Generalvikars durch Schaffgotsch bei seiner Abreise für durchaus gesetzlich.¹) Schaffgotsch sprach zu Coltrolini, dem preusischen Agenten in Rom, mit Ausdrücken der vollkommensten Dankbarkeit für den preussischen König, seinen einzigen Wohlthäter. Jedoch zeigt schon sein Eintritt in den Jesuitenorden, wie er in Rom Ol ins Feuer zu giessen bemüht gewesen sein wird.4) Am 3. Mai 1758 starb Benedikt XIV., nach Macaulay der beste und weiseste der 250 Nachfolger St. Peters. Am 6. Juli ging aus dem Konklave der Kardinal Rezzonico als Papst Clemens XIII. hervor. Es verdient Beachtung, dass gerade in diese Zeit des Aufenthaltes von Schaffgotsch in Rom oder unmittelbar nach demselben jene drei Massregeln fallen, durch die der Papst die Sache Friedrichs zu schädigen suchte. Wie einst Urban an Gottfried von Bouillon, übersandte Clemens XIII., der Zeitgenosse von Voltaire und Montesquieu, dem Feldmarschall Daun den geweihten Hut und Degen zum Kampfe gegen die Ungläubigen.?) Den König von Frankreich und den Kaiser Franz ermahnte er zu energischem Kampfe gegen den ketzerischen König. Osterreich gewährte der Papst den Indult, von den Klöstern und Stiften besondere Abgaben

au fait de sa trahison il décampa, mais la justice infinie le poursuivra dans son asile et peut-être y- ditera-t-il des trahisons contre ces Autrichiens mome. Gewiss wird der König in ähnlichen Ausdrücken gesprochen haben. Allein die Thatsache, dass der Bischof den König in Breslau dem Feinde vor seiner Flucht überliefern wollte, stimmt mit den Ereignissen nicht überein. Im Tagebuch hat de Gatt nur eine kurze Notiz über verräterische Gesinnung zum Tage der Unterredung den 25. April 1758. Da die Memoiren nicht gleichzeitig geschrieben, hat die Bemerkung um so weniger Wert. als Friedrich und Schlabrendorff nie gerade diesen speciellen Punkt erwähnen. Ober die geringe Glaubwürdigkeit der Memoiren vergl. Koser a. a. O. S. XXIV.

1) Thiébauld, Mes souvenirs de vingt ans de séjour à Berlin. III, 38.

2) Das Verhältnis von Friedrich zu Benedikt XIV. war schon kühler geworden durch die ent- schiedene Stellung, welche der König zu dem Ubertritt des Erbprinzen Friedrich von Hessen-Kassel ein- genommen hatte. Vergl. v. Ranke, Bd. 30, S. 94. Dennoch ermahnte Benedikt XIV. zur Treue gegen den Souverän. XIII, 763. Benedikt an Schaffgotsch, 8. Mai 1756. Vergl. M. Brosch a. a. O. S. 107 Anm. 2.

3) Die Frage, welche Rolle in dem siebenjährigen Kriege der Gegensatz des Glaubens gespielt, bedarf noch genauerer Erörterung. Valory, Mémoires des négotiations du Marquis de Valory(?), II, 208, berichtet zum Beweise der Behauptung, dass Friedrich den Protestantismus für den Krieg interessiert wünschte, eine Ausserung des Königs:Je voudrais pour un doigt avoir communié quatre fois par an et avoir été à Péglise tous les dimanches. Bezeichnender sind Ausserungen im Briefwechsel Friedrichs des Grossen mit Wilhelm IV. von Oranien. Ranke S. W., Bd. 24, S. 188. Ich erwähne dies nur, ohne etwa zu glauben, dass die Stellung von Schaffgotsch durch diese Dinge beeinflusst wurde. Vergl. auch den Erlass an Plotho über das Bündnis der katholischen Fürsten, XIII, 769, und Bericht desselben Reichs- tagsgesandten vom 6. November 1758. XVIII, 40.

4) Berichte von Coltrolini vom 18. März, 8. und 22. April 1758, XVIII, 22, 23 u. Anmerk.

5) Vergl. Schaefer a. a. O. 2, 1 S. 204. Später sagte der Nuntius am polnischen Hofe, Visconti, zum preussischen Residenten Bénoit, XVIII, 152, 29. Februar 1764: Le Sgr. Visconti m'a donné à cette occasion les assurances les plus fortes que ce qu'on avait fait sur le compte du pape d'à présent au sujet d'une épée bénite, qu'on avait prétendu, que ce pontife devait avoir envoyée au maréchal Daun était entièrement faux et qu'il avait eté mortiſd d'apprendre qu'on avait rapporté ceci à V. M. comme une chose certaine. Der Papst hätte alle seine Minister autorisiert, dies falsche Gerücht zu dementieren. Bekannt ist, dass Friedrich zwei Parodieen des angeblichen Weihebriefes drucken liess. Vergl. Oeuvres de Frédéric le Grand, Briefwechsel mit Marquis D'Argens XIX, S. 65, und bei Lehmann, XVIII, S. 156, Anm. 1. Nach Mitteilung des letzten Erben des Namens eines Grafen Daun hätte Maria Theresia jene Geschenke seinem Grossvater abgekauft. Die Mitteilung stammt allerdings aus dritter Hand. Es wäre nicht unmöglich, dass der vom Könige verfasste(lat. u. franz.) Brief die Quelle des Gerüchtes wäre und sich nur auf die oben erwähnten Briefe an Franz I. und Ludwig XV. bezog.