27
Einfluss auf die Prälaten, die ihn mit moquanten Redensarten abfertigen.1) Der König liess denn auch dem Bischof den Ausdruck besonderer Anerkennung mitteilen.
Feurig äusserte er seinen Hass gegen die Gegner des Königs.„V. M. peut être assurée, que je me fais une loi et un vrai devoir de concourir avec tous mes derniers efforts au bien et à l'avantage de Sa très-juste cause et au bon succès de nos armes qui sauveront notre patrie de l'esclavage autrichien, que je détesterai jusqu'au dernier moment de ma vie.“²) Gegen- über der von Osterreich in einer Denkschrift aufgestellten Behauptung, dass der kirchliche status quo in Schlesien durch Preussen mehrfach verletzt sei, suchte der Bischof ausführlich die Billigkeit des preussischen Regimentes zu verteidigen.²) Schaffgotsch gab auch nach der Schlacht bei Kollin dem Könige Zeichen der Treue. Am 27. Juli 1757 ermahnte er den Klerus in besonderem Hirtenbriefe, das Volk auf die Verbindlichkeit des Eides für den rechtmässigen Herrscher aufmerksam zu machen.¹) Damals aber rüsteten sich bereits die Ratten, das sinkende Staatsschiff zu verlassen. Schon am 24. August sprach Schlabrendorff Verdacht gegen den Bischof selbst aus.“) Die ersten Mitteilungen Schlabrendorffs vom 27. und 28. August 1757 hielt der König für zu geringfügig, um die vom Minister befürwortete Verweisung des Bischofs an einen Ort ausserhalb Schlesiens zu rechtfertigen.“) Er gebot, den Bischof zu warnen und seine Boten zu beachten. Dann aber wurde Schaffgotsch auf Nachrichten, die er von seinem Schwager, dem Generalmajor von Rebentisch, erhielt, immer freier und offener.7) Er trat durch seinen Jäger mit dem österreichischen Obersten von Simbschen in Verbindung, den er schon früher bei der Invasion der Osterreicher in Oberschlesien durch Beschaffung der Lieferungen gewonnen hatte. Schon rühmte er sich, was aber jedenfalls erfunden war, der bevorzugten Stellung, die ihm der Wiener Hof in Aussicht gestellt hätte. Er bezahlte Personen, die ihm von der österreichischen Armee, und andere, die ihm von dem preussischen Heere Nachrichten bringen mussten. Er verlegte seine Jagden in Gebiete, in denen die ôsterreicher bereits herumschwärmten.“) Der König durchschaute das Treiben des undankbaren Manunes. Dennoch gebot ihm die Lage, keinen Eclat herbeizuführen, um nicht seinen Gegnern und den Katholiken Schlesiens durch scheinbar grundlose Härte die erwünschte Gelegenheit zu Klagen zu bieten. Er beauftragte Schlabrendorff, den Bischof sowohl durch gütliches, als ernstliches Verfahren zu warnen. Weiteres behielt sich der König für friedliche Zeiten vor. Dem Kabinetschreiben, welches ihm seine Undankbarkeit vorhielt, fügte der König eigenhändig hinzu: Vous avez la téte légère; vos coions de domestiques et de prôtres autrichiens en abusent. Gardez-vous bien de faire une sottise, ou vous pourrez la regretter toute votre vie.²) Natürlich machten diese Worte auf Schaffgotsch keinen Eindruck. Er verhandelte durch den Amtshauptmann zu Jo- hannisberg Baron von Stillfried wegen seiner Aussöhnung. ¹⁰) Infolge dieser Nachrichten verbot Friedrich dem Kommandanten von Breslau, Generallieutenant Katt, jeglichen Umgang mit dem Fürstbischof. 11) Am 22. Oktober meldete der Stabskapitän von Scholten, dass der Wiener Hof
1) XIII, 785. XIII, 786. 12. Oktober 1756.
2) Kabinetschreiben Nov. 1756. XIII, 793. Schreiben des Bischofs 795, cf. 797.
3) XIII, 789. Die österreichischen Beschwerden waren dem Regensburger Reichstage im Okt. 1756 überreicht. Es wurden verschiedene Entgegnungen aufgesetzt. XIII, 796. Das Gutachten von Schaff- gotsch XIII, 799, eine Denkschrift vom 26. März 1757. GCfr. über die Wahl Sinzendorfs die Mitteilungen von Schaffgotsch, XIII, 811.
4) XIII, 814.
5) XIII, 815.
6) XIII, S. 696, Anm. 1 und Kabinetsbefehl vom 5. September 1757.
7) XIII, 815.
8) XVIII, S. 10. Anm. 2. Berichte Schlabrendorffs vom 4. und 7. September 1757, 816.
9) Kabinetsbefehl vom 12. September 1757. XIII, 817 und Schreiben an Schaffgotsch. XIII, 818. Vergl. über seine Drohungon gegen Schlabrendorff, dessen Bericht, XIII, 820.
10) Bericht des Stabs-Kapitäns von Scholten vom 20. September 1757. XVIII, S. 11, dass Stillfried Beziehungen zu Wien und Schaffgotsch hatte, ergiebt auch XIII, 792.
11) XIII, S. 696, Anm. 1.
4*


