Lur Geeeſ⸗
der algebraischen Auflösung der quadratischen und kubischen Gleichungen sowie der Lehre von den Logarithmen.
Vom ordentlichen Lehrer Constantin Stephan.
Die Geschichte der Mathematik umfasst weite Gebiete und zcigt nicht nur, wo und wie die einzelnen Theorieen sich entwickelt haben, sondern auch, wie die Bestrebungen zur Vervollkommnung dieser Wissenszweige im engen Zusammenhange mit der Entwicklung der allgemeinen Kultur und den übrigen Wissenschaften stehen. Sind doch die grössten Philosophen aller Zeiten entweder direkte Förderer der Mathematik gewesen oder haben an der Klärung der Grundbegriffe derselben erläuternd und bestimmend mitgewirkt: wir brauchen nur Pythagoras, Plato und Aristoteles, Cartesius und Leibnitz, ebenso Kant und Herbart zu erwähnen, und die Ansichten Schopenhauers und Lotzes auf diesem Gehßiete sind mindestens ebenso originell und geistreich wie viele andere ihrer eigentümlichen Ideeen.
Interesse bietet die Geschichte der Mathematik also jedenfalls, und an einzelnen Bearbeitungen derselben hat es selbst in den ältesten Zeiten nicht gefehlt. Doch erst in den jüngsten Decennien fängt man an, der geschichtlichen Entwicklung der Arithmetik und Geometrie auch in den Lehrbüchern und Schulen Eingang zu verschaffen, nachdem unter dem Einfluss von Cantor, Günther u. a. das Interesse an mathematisch geschichtlichen Studien reger geworden ist. Es ist auch selbstverständlich, dass Einsicht in frühere Arbeiten auf dem Gebiete der Mathematik ebenso das Verständnis jüngerer Theorieen fördert, wie das Studium der Geschichte anderer wissenschaftlicher Zweige bei Arbeiten auf ihrem Gebiete Gedeihen bringt.
Wenn aber. der Verfasser in der folgenden kleinen Arbeit nur einen Bruchteil der Entwicklung der rechnenden Mathemathik vorführt, so bedarf dies bei dem beschränkten Raume, der für eine Programmabhandlung gewährt ist, keiner Entschuldigung. Das gewählte Kapitel selbst umfasst den wichtigsten Teil des arithmetischen Lehrstoffs unserer höheren Schulen, giebt eine Art Durchblick durch alle mathematisch wichtigen Zeitabschnitte, indem es Völker und E Pochen, die für die Entwicklung des mathematischen Wissens von Bedeutung sind, streift, die Agypter als Vorläufer der Griechen andeutet, die eigentümlichen und von der griechischen Denkart ganz abweichenden algebraischen Untersuchungen der Inder und Araber berührt, endlich von der Zeit der Renaissance an die Italiener, Engländer, Franzosen und unsere eigene Natiom als mit Erfolg auf dem Gebiete der Algebra wirksam vorführt.
Für Schüler wird die Arbeit allerhand Neues bieten, aber auch die Herren Kollegen werden die gedrängte Zusammenstellung nebst Angabe der Quellen hoffentlich nützlich finden.


