Schon im vergangenen Sommer konnten wir den grölſsten Teil der zu besprechenden Pflanzen unserem Garten entnehmen. Nachdem unsere Anlage nunmehr vollendet ist, die Pflanzen der Mehrzahl nach gut gedeihen, haben wir jetzt den ganzen Bedarf an Pflanzen im Garten selbst. In welcher Weise wir das reichhaltige Material auf die verschiedenen Klassen verteilen, wie wir dasselbe methodisch zu verwerten und fruchtbringend zu gestalten suchen, darüber wollen wir in zwei Jahren in einer weiteren Abhandlung ausführlich berichten. Einstweilen sei nur darauf hingewiesen, dafs der Schulgarten nicht allein für die Botanik, sondern auch schon für den Zeichenunterricht verwertet wird. Unser Zeichenlehrer hat seit zwei Jahren Ubungsstoff, wie interessante Blattbildungen u. dergl. aus dem Garten ausgewählt, und die Entstehung der stilistischen Formen aus den natürlichen entwickelt. Es wird hierdurch die mit Recht geforderte Kon- zentration des Unterrichts in rechtem Sinne gefördert.
Nachdem wir somit in unserem Schulgarten ein Unterrichts- mittel ersten Ranges geschaffen haben, besteht für eine nutz- bringende Verwendung desselben die unumgüngliche Forderung, daſs die mit so vieler Mühe und so grofsen Opfern zu Stande gekommene Anlage auch ferner in dem jetzigen Zustande er- halten bleibt. Hierzu genügt aber nicht allein unsere dauernde Arbeit im Garten, die wie bei keinem anderen Unterrichtszweige Lehrer und Schüler in näheren Umgang bringt,— die haupt- sächlichste Bedingung ist vielmehr, dafs unser Schulgarten auf der Süd- und Westseite frei bleibt und ihm nicht Licht und Luft zugebaut wird.
Wir hegen zu unserem Kuratorium und dessen Vor- sitzendem das feste Vertrauen, dass sie unsere wertvolle in den kleinen Bockenheimer Verhältnissen geschaffene Anlage erhalten und fördern werden. Auf dem Schulgebiete ist es immer der ruhmvolle Ehrgeiz Frankfurts gewesen, das Beste und Neueste zu haben. Ein nach den Grundsätzen der modernen Naturwissenschaft angelegter Schulgarten gehört aber zu den erstrebenswertesten Unterrichts- mitteln der Neuzeit, und in dem Schulgarten der Bocken- heimer Realschule besitzt nun Frankfurt eine Anlage, wie sie ähnlich zur Zeit in Deutschland kaum noch be- stehen dürfte.


