Aufsatz 
Der Schulgarten der Bockenheimer Realschule zu Frankfurt a.M. / von Lud. Stelz und Grede
Entstehung
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Bei der Bearbeitung der morphologischen und physiologischen Verhältnisse unserer Pflanzen sind zu Grunde gelegt worden: Leunis, Synopsis und Kerner, Pflanzenleben. Diese Zusammen- stellungen sind ziemlich eingehend behandelt worden, weil sie in Zukunft bei unserem botanischen Unterricht benutzt werden sollen. DerSchulgarten soll uns das botanische Lehrbuch er- setzen. Wir hoffen hierdurch eine wesentliche Vertiefung dieses Unterrichtszweiges zu gewinnen.

Im allgemeinen ist es bei der beschränkten Stundenzahl, die dem botanischen Unterricht während des kurzen Sommerhalb- jahres zugemessen ist, nicht möglich, eine erhebliche Anzahl Pflanzen im Klassenunterricht durchzunehmen. Hierbei können nur die notwendigsten Grundbegriffe der mannigfachen Gestalten- welt des Pflanzenreichs zur Anschauung gebracht werden; für die viel wichtigeren und weit mehr Interesse erweckenden Lebenserscheinungen der Pflanzen ist nur eine andeutungsweise Erörterung möglich. Die Beobachtung, die eigentliche Anschau- ung dieser Vorgänge bleibt ausgeschlossen.

In unseren 344 Pflanzenarten, die eine ihren natürlichen Lebensbedingungen möglichst angepafste Aufnahme in unserem Schulgarten gefunden haben, geben wir unseren Schülern ein kleines Bild der Gesamtvegetation. Zu steter Beobachtung ver- anlafst, erhalten die Schüler nicht allein eine ausgedehnte Pflanzenkenntnis, sondern sie bekommen auch Einblick in die zweckentsprechenden Lebensbedingungen der Pflanzen, sie lernen die Pflanzen als eigentliche Lebewesen kennen. Beim Erwachen der Natur im Frühjahr sehen sie die Entfaltung der Knospen, sie beobachten die scheinbar aus nichts hervorspriefsenden Staudengewächse, sie verfolgen die Entwicklung der Blüten und der Frucht, sie sehen mit dem beginnenden Laubfall den Eintritt der Ruhezeit im Pflanzenreich; mit einem Worte, sie erhalten ein Bild von dem ewigen Werden und Vergehen in der Natur. Es ist einleuchtend, dafs hierdurch das Interesse der Schüler an der Pflanzenwelt erheblich gemehrt wird. Wesentlich trägt dazu noch bei, dafs der gröfste Teil der botanischen Unterrichtsstunden im Freien abgehalten wird.