Aufsatz 
Der Schulgarten der Bockenheimer Realschule zu Frankfurt a.M. / von Lud. Stelz und Grede
Entstehung
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Trotz der grofsen Bedeutung eines Schulgartens für den botanischen Unterricht ist die Zahl der höheren Schulen in Preufsen, die in dem glücklichen Besitz einer solchen Anlage sind, noch äuſserst gering. Der Grund hierfür liegt wohl in den mannigfachen Schwierigkeiten, die sich in den meisten Fällen der Anlage eines Schulgartens entgegenstellen, die sie oft geradezu unmöglich machen. In der unangenehmsten Lage sind die Schulen der groſsen Städte. Eingeschlossen von langen Häuserreihen sind sie selbst bei vorhandenem freien Platz nicht imstande, in vorteilhafter Weise einen Schulgarten anzulegen. Hinreichend Luft und Licht gehören nun einmal zum Gedeihen der Pflanzenwelt. Glücklicherweise ist unsere Schule noch nicht derart eingebaut. Süd- und Westseite des Schulhofes sind noch ziemlich frei. Als im Sommer 1892 der Schulhof an der südlichen Seite erweitert wurde, faſsten wir den endgültigen Beschlufs, unseren lang gehegten Wunsch, die Anlage eines Schulgartens, zu verwirklichen. In einem Bericht an das Kura- torium der Realschule vom 29. 10. 92 wurden die Grundsätze, nach denen die Anlage erfolgen sollte, sowie ihr Zweck dar- gelegt. Es handelte sich zunächst um eine Rabatte in der Breite von 1 ½ m auf der stdwestlichen Seite des Schulhofes.*) Im Oktober 1892 wurde mit dem Roden dieser Rabatte begonnen und dabei die unangenehme Entdeckung gemacht, daſs etwa 1 m unter der Oberfläche die auch sonst an vielen Stellen von Bockenheim auftretende völlig undurchlässige Lettenschicht zum Vorschein kam. Da ein Bepflanzen unter diesen Umständen ganz aussichtslos war, wurde diese Lettenschicht in der Breite von 1 ½ m und in der Tiefe von durchschnittlich 1 m ausge- hoben, und zwar in der Weise, dafs die Sohle des Grabens nach dem südöstlichen Punkte Fall hatte. Dort wurde die Letten- schicht ihrer ganzen Mächtigkeit nach(ca. 2 m) durchbrochen, um auf die darunter liegende durchlässige Schicht zu gelangen. Der so entstandene Schacht wurde mit Backsteinbrocken und Steinkohlenschlacken ausgeftllt, die Sohle des Grabens mit

*) Länge der Rabatte: 72,7 m; Breite: 1,50 m; Flächen- Inhalt= 109 qm.