Aufsatz 
Pflanzenhefte, ein Hilfsmittel für den Unterricht in der Botanik
Entstehung
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Versuch,

den Knabenhandarbeits-Unterricht schulgemäſs zu gestalten.*

Seit Jahren stehen wir in einer Bewegung, welche die Schäden zu beseitigen strebt, die unser höheres Schulwesen durch seine einseitige Betonung des Buchunter- richts gezeitigt hat. Diese Schäden sind zweierlei Art, sie betreffen:

1) die schlimme Einwirkung desselben auf die gesunde körperliche Entwickelung

unserer Schüler,

2) die durch die einseitige Verstandesthätigkeit hervorgerufene Ungeschicklichkeit

von Hand und Auge.

Die erstere sucht man zu vermindern: durch Beschränkung der häuslichen Arbeitszeit, durch Verlegung eines Teiles des Unterrichts, z. B. des naturwissen- schaftlichen, der Heimatskunde, wo es angeht, ins Freie, durch Vermehrung der Turnstunden und Heranziehung der Turnspiele.

Die zweite läſst sich nur durch Einführung des Handfertigkeits-Unterrichtes be- seitigen, der zugleich auch den Kampf gegen die erwachsenden Schäden in der körper- lichen Entwickelung unterstützt.

Die Einsicht in die Richtigkeit dieser Erwägungen hat eine Bewegung hervor- gerufen, die von den skandinavischen Ländern ausgehend, Frankreich und die Staaten von Nordamerika ergriffen hat, und die sich jetzt auch in Deutschland in immer weiteren Kreisen Bahn bricht. Hier hat besonders der deutsche Verein für Knabenhandarbeit, dessen Seele Landtagsabgeordneter v. Schenckendorff ist, durch Wort, Schrift und Errichtung von Schülerwerkstätten das Werk bereits weit gefördert.

Auch an der Realschule zu Bockenheim ist dieser Unterricht eingeführt worden, allerdings mehr unter dem Eindrucke, den die zwei Herren des Kollegiums Stelz und Knebel durch persönliche Kenntnisnahme desselben in Schweden gewonnen hatten. Nachdem von Neujahr bis Ostern 1891 ein Vorversuch stattgefunden**, der die Erwartungen sowohl der unterrichtenden Herren sowie aller beteiligten Kreise in hohem Grade übertroffen hatte, wurde beschlossen, die Handfertigkeit an der Schule in ausgedehntem Maſse zu betreiben. Es war von vornherein ins Auge gefaſst worden, diesen Unterricht als einen zur Schule gehörigen wahlfreien Lehr- gegenstand zu gestalten. Nachdem noch die beiden Herren des Kollegiums Deskau und Ickler in Leipzig an der dortigen Lehrerbildungsanstalt einen Kursus durch- gemacht hatten, waren genügend Lehrkräfte zur Durchführung dieser Absicht vorhanden.

* Vergleiche: Pädagogisches Wochenblatt Nr. 28.** Siehe Jahresbericht vom vergangenen Jahre.