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Zeichenheft eingeführt, in dem nicht blofs morphologische und anatomische Einzel- heiten, sondern auch Schnitte und Gliederung ganzer Tiere gegeben wurden.
In diesem Jahre ist zum erstenmale der Versuch gemacht worden auch in Tertia bei Betrachtung der Wirbeltiere ein solches Heft zu verwenden. Es wurden selbst- verständlich nur Einzelheiten gezeichnet, allein diese Zeichnungen sind im ganzen und groſsen nicht besonders befriedigend ausgefallen und werden es in Zukunft, wo der Lehrgang über die Wirbeltiere in Quarta endigt, vielleicht noch weniger sein.
Allein diese Versuche können noch nicht als so weit abgeschlossen betrachtet werden, dafs sich daraus ein bestimmtes Urteil fällen läſst.
In der Physik werden nur Zeichnungen mit Lineal und Zirkel gemacht. Diese geben
1) Grundrisse, Aufrisse, Schnitte von Apparaten, die zu Versuchen verwendet
werden, unter Weglassung aller zum Verständnis des Versuches nicht not- wendigen Nebensächlichkeiten;
2) Anordnung solcher Versuche in einfacher Art;
3) Konstruktionen aus den verschiedensten Gebieten, z. B. der Spiegel- und
Linsenbilder, der elektrischen Maschinen in schematischer Weise u. a. m.;
4) mathematische Beweise.
In der Chemie werden 1) Schnitte durch Apparate, 2) Anordnung von Ver- suchen gezeichnet.
Neben diesen Heften wurde jedes Jahr in Prima eine Anzahl gröſserer Wand- tafeln aus allen naturwissenschaftlichen Fächern, besonders aber aus dem Gebiete der Physik gezeichnet. Auf diese Weise ist die Schule in den angenehmen Besitz von über 60 groſsen, schön in Farben ausgeführten Tafeln gelangt, die nur für die Zwecke des Unterrichtes ausgeführt wurden und im Handel nicht zu haben sind.
Die für die Hefte bestimmten Zeichnungen werden an der Tafel entworfen, dann in Hefte leicht skizziert und zu Hause ausgeführt, wo es thunlich ist, mit Farbstiften.
Die Verwendung von Farben hat sich als sehr wertvoll erwiesen, wenn man im Pflanzenreiche bei den Diagrammen, im Tierreiche bei den anatomischen Verhält- nissen für dieselben Organe dieselbe Farbe beibehält. Der Schüler erhält dann mit einem Blicke völlige Klarheit über die vorliegende Familie und bei Vergleichung der verschiedenen Zeichnungen eine sehr auffällige Darstellung des Fortschrittes im Bau der aufeinanderfolgenden Abteilungen.
Diese Entwürfe an der Tafel sind zweckmäſsig schon in den untersten Stufen vom Schüler selbst auszuführen, vom Lehrer nur zu verbessern. Andernfalls geht dem Lehrer die Einsicht darüber verloren, ob der Schüler richtig sieht, ob er das wichtige Regelmäſsige von dem zufälligen Nebensächlichen unterscheidet. Er ist andernfalls auch nicht in der Lage, dem Gedankengange des Schülers zu folgen und den Punkt nachzuweisen, an dem das Erkennen falsch war.
Dieses Verfahren, dafs der Lehrer nur die leitende Stelle einnimmt, während der Schüler selbstthätig die Ergebnisse aufsucht und findet, scheint mir ganz be- sonders im naturwissenschaftlichen Unterricht unumgänglich zu sein. Ganz abgesehen davon, daſs dadurch die ganze Klasse in steter Geistesthätigkeit sich befindet, haften die erworbenen Kenntnisse, weil innerlich errungen, viel fester als solche, die sich nur aus einem Vortrage des Lehrers ergeben. Weiter aber gewöhnt sich der Schüler daran, die Natur als einen Organismus zu betrachten, in dem nach festen Gesetzen Ursache und Wirkung verknüpft sind, und nicht als eine zufällige Aneinander- reihung einander fremder Einzelwesen. Damit wird er aber auch in den Stand ge-


