Aufsatz 
Die Werke des Landbaues in den Werken und Tagen des Hesiodos : (V. 383-647.) / von A. Steitz
Entstehung
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A den frühesten Jahrhunderten der griechischen Literatur glänzt der Name des Hesiod neben dem Homers hervor, häufig mit ihm genannt und an Ruhm alle Dichter bis auf die Zeiten des Aeschylus und Pindar weit überstrahlend. Und wenn die Theogonie hauptsächlich nur durch ihren Stoff interessirte, so war das Spruchgedicht Hesiods eine Nationaldichtung im vollsten Sinne geworden, von grossem Einfluss auf die weitere Entwicklung der Poesie wie auf die Bildung des ganzen Volks. Die Werke und Tage lernte die Jugend in den attischen Schulen neben den beiden homerischen Gedichten vor allem Andern kennen, die jambischen und lyrischen Dichter schon vom achten Jahrhundert an wiederholen hesiodische Ge- danken theils in offenbarer Nachahmung und Ausführung theils in unverkennbaren Reminiscenzen, während die gnomische Poesie auch in Form und Zweck als weitere Entwicklung der Art von Lehrdichtung auftritt, welche in Hesiod ihren ersten bedeu- tenden Vertreter hatte. Pindar führt Aussprüche Hesiods mit Nennung seines Namens an und so thun auch die Philosophen und Redner. Ihnen und der ganzen Nation galten die weisen Lehren des uralten Dichters als sinnvoller Schmuck der Rede und vertraten oft die Stelle des vollgültigsten Beweises. Mochte freilich den späteren Jahrhunderten ein Theil des Inhalts der Werke und Tage entfremdet sein, wie sich dies in dem Vorwurf der aαeοdoyla ausspricht, mochte ferner der stolze Sinn der grie- chischen Aristokratie die ganze Verschiedenheit der Weltanschauung Hesiods von ihrem eigenen Denken und Empfinden erkennen, wie es das Wort des spartanischen Königs verräth, der ihn einen Dichter der Heloten nannte, traf endlich wie den Homer so auch ihn für Manches, was er in Unbefangenheit gesagt, der strenge Tadel der sokratischen Philosophen und schon des Xenophanes, die von einem höheren sittlichen Standpunkt aus verurtheilten, was dem naiven Egoismus einer früheren Zeit unver-

fünglich erschienen war: die Geltung Hesiods als Nationaldichter blieb ungeschmälert. 1