Aufsatz 
Kritisches zu Ovids Metamorphosen nebst Proben einer Übersetzung des Werkes / von ... Suchier
Entstehung
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Daß die Kritik in Ovids Metamorphoſen trotz der Bemühungen namhafter Gelehrten noch auf mancherlei Schwierigkeiten ſtößt, iſt eine bekannte Thatſache, deren Grund hauptſächlich in der Beſchaffen⸗ heit der Handſchriften zu ſuchen iſt, zum Theil aber auch darin, daß man ſich über eine beſtimmte Richt⸗ ſchnur des Verfahrens noch nicht geeinigt hat. Wie unzuverläſſig die Handſchriften ſind, beweiſt der Um⸗ ſtand zur Genüge, daß ſie an mehreren Stellen ¹) trotz ihrer großen Zahl ²) ſämmtlich nur offenbar Falſches enthalten. Beſonders betrifft dies Eigennamen, die den Abſchreibern unbekannt waren und deshalb in bekanntere gefäͤlſcht wurden*). Nicht ſelten auch bieten die codices, wenn nicht gradezu Ungereimtes, doch ſolche Ausdrücke oder Wendungen, die ein unbefangenes Urtheil verwerfen muß, und gewiſſenhafte Scheu vor der Tradition nur mit ſchwachen Gründen zu ſtützen vermag*), namentlich an ſolchen Stellen, wo Interpolationen durch mehr oder weniger triftige Gründe nachgewieſen ſind*). Ausdrücke aber und Rede⸗

1) An den meiſten dieſer Stellen iſt bereits durch unzweifelhafte Conjectur das Richtige gefunden; ſo VII, 399 Phini von Schrader anſtatt Phineu(1 cod. Phenen); V, 165 Choanius v. Micyllus ſtatt Chaonius; II, 241 Psophaico v. Gla⸗ reanus für Phocaico; I, 313 Oetaeis v. Delrio f. Actaeis(1 cod. cteis); VII, 759 Laiades v. Taurellus f. Naiades; V, 252 Cythno v. Naugerius f. Cypro(auch Planudes 1 KU9ννQαα l 1.α.ραάο VIII, 7⁵53 Triopeias f. Dryopeius; X, 98 tinus v. Heinſius f. ficus od. pinus(einige codd. einus). Dagegen bieten VII, 223, wo Oetaeis, u. VIII, 721, wo Tyaneius nur ein Nothbehelf der Herausgeber iſt, bisher noch ungelöſte Schwierigkeiten. Von beiden ſpäter. Ebenſo iſt VIII, 370, wo die Lesart zwiſchen Orithiae, Orichiae, Orchiadac, Othriadae u. Actoridae ſchwankt, der Name des Helden noch ein Räthſel; ſicherlich iſt Actoridae, das die Ausgaben haben, eben ſo unſtatthaft wie die Patronymika Orchiadae u. Othriadae, u. es möchte am rathſamſten ſein, ſo lange nicht vollſtändiges Licht über die Stelle verbreitet iſt, einen der Namen Orithias od. Orichias zu wählen, die wenigſtens keine leichtſinnige Anderung zu ſein ſcheinen.

2) Nach der Aufzählung bei Bach zu ſchließen beträgt ihre Anzahl über 140.

3) Zu den in Anm. 1 angeführten vgl. noch V, 111, wo das wohrſcheinlich richtige Lampetide(ſo wenige codd. u. Pla⸗ nudes, 1 cod. iampetide, einige Lampetie) in lapetide oder lapetion verandert wurde; V, 268, wo ſich ſtatt Mne- monidas(ſo Heinſius aus 1 cod., der Mnemonides hat) Maconidas u. Memnonidas findet; V, 385, wo Hennaeis von den meiſten in Aetnaeis gefälſcht wurde; XII, 585, wo für das handſchr. Cynthia zuerſt Beroaldus Sminthea emen⸗ dirte. XIII, 682 haben einige codd. für Aonis ſogar lispanis, andere loniis, auch Haemoniis. VIII, 760 wurde Deoia, wie Heinſ. herſtellte, in Deolda, decidua, Dodonia verändert.

4) So III, 713 lo geminae sorores, wofür die Conjectur von Heinſ. et Ogygiae sor.(1 cod. Ogeone mit der Gloſſe a loco dictae) längſt hätte eingeführt werden ſollen; VI, 538 hostis mihi debita poena, wofür Withof mit großer Wahrſcheinlichkeit vermuthet h. m. d. Procne; VIII, 878, wo die Conjectur Burmanns deerantdue ſtatt dederatque, die nach ihm eine Hdſchr. beſtätigte, von Bach mit unrecht verworfen iſt; VII, 509, wo die Anderung Bothes ut om nis eat: rerum status iste mearum ſtatt et omnis eat rerum st. i. m.. wenn auch nicht alle Bedenken hebend(denn wie iſt ut omais eat mit robora non desunt zu reimen?), doch unter den mehrfachen Verbeſſerungsvorſchlägen den Vorzug verdient. Hierher gehört auch VII, 764, wo Gronovs Verbeſſerung immittitur altera Thebis D'estis für im⸗ missa est bellua Thebis; Cessit allgemeinen Eingang gefunden hat, u. XV, 230 solidorum mole tororum, Conj. v. Heinſ. für solidorum more ferorum.

5) S. Braune de Ovidii Metamorphoseon locis quibusdam disputatio critica Cottbus 1849, der jedoch in ſeinem Stre⸗ ben dergleichen Zuſätze aus erklärenden od. citirenden Randbemerkungen herzuleiten etwas zu weit geht. Die Haupt⸗

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