D. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Das Schuljahr begann Dienstag den 14. April 1896, nachdem tagszuvor die Aufnahme⸗ prüfungen ſtattgefunden hatten, und wird am 3. April 1897 ſchließen.
Unſre Schule hat in dieſem Jahre einen ſehr ſchmerzlichen Verluſt zu beklagen. Der hochverehrte Senior unſeres Kollegiums, Herr Profeſſor Dr. Marx, der über 33 Jahre an unſrer Anſtalt aufs Segensreichſte gewirkt hat und ſeinen⸗Amtsgenoſſen ein treuer Kollege, ſeinen Schülern ein väterlicher Freund geweſen iſt, iſt am 30. September 1896 plötzlich einem tückiſchen Herzleiden erlegen. Er hatte im Sommerſemeſter wegen dieſes Leidens Urlaub nehmen müſſen, war aber dann neugeſtärkt und mit friſchem Mut am 14. September 1896 wieder in den Dienſt eingetreten und hatte noch an ſeinem Todestage rüſtig und freudig ſeine Stunden gehalten. Am 3. Oktober 1896 wurde er unter Beteiligung unſrer ganzen Schule und mit einem großen Geleite aus der Stadt, in der er viele Jahre hindurch in mannigfachen Ehrenämtern und Vertrauensſtellungen unermüdlich und mit größtem Erfolge gewirkt hat, zur letzten Ruhe beſtattet. Der Direktor legte im Namen des Lehrerkollegiums einen Kranz am Grabe nieder und gab den Gefühlen der Trauer und der Verehrung für den Dahingeſchiedenen Ausdruck, die alle Lehrer und Schüler beſeelen. Auch von den Schülern wurde eine Reihe von Kränzen dargebracht.
Die Herren Aſſeſſoren F. Werner und Hoffmann ſchieden mit Beginn des Schul⸗ jahres von uns, um an anderen Anſtalten Verwendung zu finden. Die Stelle des Herrn Profeſſor Dr. Marx wurde vom 7.—31. Mai von Herrn Acc. Lettermann und vom 1. Juni bis 13. September von Herrn Aſſeſſor Buſch verſehen, der ſie auch ſeit dem 7. Oktober wieder verſieht.
Herr Dr. Seip nahm auf Veranlaſſung Großh. Miniſteriums vom 26. Mai bis 3. Juni 1897 an einer archäologiſchen Ferienreiſe(Würzburg, Aſchaffenburg, Salburg, Limes) heſſiſcher und bairiſcher Gymnaſiallehrer unter Führung der Herren Geh. Oberſchulrat Soldan und Profeſſor Dr. Sittl Teil.
Herr Profeſſor Dr. Heilmann mußte infolge einer ernſtlichen Erkrankung ſeit dem 1. Februar 1897 der Schule fern bleiben. Sein Unterricht wurde unter mehrere Kollegen verteilt.
Leider wurde uns auch in dieſem Jahre ein Schüler, der zu den ſchönſten Hoffnungen berechtigte, der Obertertianer Ludwig Adam durch den Tod entriſſen. Er erlag in den Pfingſt⸗ ferien einer ſchweren Krankheit. Der Direktor und die meiſten ſeiner Mitſchüler gaben ihm am 27. Mai 1896 in ſeinem Heimatorte Nieder⸗Flörsheim das letzte Geleit.
Am Sedanzuge beteiligten ſich diesmal nur die oberen und mittleren Klaſſen unter Führung des Direktors und mehrerer Lehrer; die Feier am Vorabend unterblieb.— Bei unſrer Großherzogs⸗ feier am 25. November 1896 gab Herr Profeſſor Soldan ein Lebensbild Philipps des Großmütigen, bei der Kaiſerfeier am 27. Januar 1897 ſprach Herr Profeſſor Dr. Heilmann über Leben und Charakter Wilhelms II., bei der Jahrhundertfeier am 22. März 1897 feierte der Direktor den erhabenen Gründer des neuen deutſchen Reiches als ein Vorbild in allen königlichen und menſchlichen Tugenden.— Bei dieſen drei Feſten wirkte auch unſer Schülerorcheſter mit. Zweimal ſeit Abſchluß unſeres letzten Jahresberichtes veranſtaltete dieſes Orcheſter unter Leitung des Herrn Aſſeſſors Diehl ſelbſtändige Feiern, nämlich eine Beethoven⸗Feier am 26. März 1896 und eine Schubert⸗Feier am 6. Februar 1897. Zu dieſen Feiern, die im großen Saale des Feſthauſes ſtattfanden, erſchienen die Angehörigen unſerer Schüler und Freunde der Anſtalt in großer Zahl


