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objektive Einheit der Syſtematik bilden. Wird hierauf kein Gewicht gelegt, ordnet der eine Lehrer in dieſer, der andere in jener Weiſe, ſo werden die Schüler nie ein feſtes Apperzeptionsnetz erhalten; und wenn gar derſelbe Lehrer wunder welche Leiſtung zu vollbringen meint, indem er den Stoff nach den verſchiedenſten Geſichtspunkten zerreißt und verknüpft, ſo gibt es nur ein wildes Durch⸗ einander, in dem neuauftretende Vorſtellungen keinen feſten Ort finden, zu dem ſie apperzipiert werden können. Statt Konzentrationsunterricht, den man zu geben meinte, hat man dann Diszentrationsunterricht gegeben und mit allen künſtlichen Gruppen⸗ und Reihen⸗ bildungen nur die ſchöne Kunſt geübt, mit möglichſt viel Mühe möglichſt wenig zu leiſten.
3. In dieſer Hinſicht bieten manche„Lehrproben“ geradezu Erſtaunliches. Nur ein Beiſpiel ſei erwähnt. Wie z. B. Frick, der Begründer dieſer Sammlung(aus der übrigens auch viel Gutes zu lernen iſt), in„Lehrproben, Heft 3, S. 75 ff.,„Siegfrieds Schwert“ behandelt, das halte ich, mit Vergebung, geradezu für ein Muſter dafür, wie es nicht gemacht werden ſollte. Was ſoll, von anderem abgeſehen, die öde Syſtematiſiererei von Perſönlichkeiten, Oertlichkeiten, Gegenſtänden ꝛc.) Bekämpft man etwa die alte Syſtematik darum, um dafür einen derartigen Salat, der gar keine dauernden Beziehungsorte gibt, einzuſetzen? Das heißt in pejus reformiert. Daß es dabei an einheitlichen Geſichtspunkten vielfach fehlt, belege ein Beiſpiel von demſelben Verf. Er ſtellt(Lehrpr. 4, S. 90 ff.) 11 Geſichtspunkte für den Geographieunterricht auf(Lage, Umriß, Bodenerhebung, Bewäſſerung, Klima, Pflanzenwelt, Tierwelt, zuſammenfaſſende typiſche Land⸗ ſchaftsbilder, Menſchenwelt). Das ſind ganz heterogene Geſichtspunkte. Die vier erſten ſtellen die Syſtematik der Geographie her, die feſt und ſicher in gewiſſem Umfange feſtſtehen und hier das ganze Leben hindurch das feſte Apperzeptionsnetz für die ſachlichen Geſichtspunkte bilden muß. Dieſe letzteren müſſen teils durch Reiſeerzählungen u. dgl. ſchon bekannt ſein, ehe die Syſtematik feſtgelegt wird, teils nachträglich auf dieſe bezogen werden.— Ebenſo iſt es in dem folgenden Aufſatze desſelben Verfaſſers über die Kunſt des Erzählens. Der Hauptgeſichtspunkt, daß Vorbedingungen, Anfang, Mitte, Ende des Ereigniſſes gegliedert werden müſſen, ſteckt da ganz gleichwertig zwiſchen Geſichtspunkten wie Ort und Zeit, die unter die Vorbedingungen gehören, und ſachlichen Geſichts⸗ punkten(Perſonen). Ein junger Lehrer, der alle dieſe Geſichtspunkte gleichwertig aneinandergereiht bekommt, muß denn doch hierdurch irre geführt und dazu veranlaßt werden, ein kunterbuntes Gemiſch zu ſchaffen.— In Betreff der Einheit der Syſtematik wird nun freilich auch von„Alten“ geſündigt. So teilt M. Fiſcher(Lehrpr. II, S. 88) einen Fall mit, wonach ein Lehrbuch, das den Löwen mit der Katze vergleicht, von der Katze ſagt:„der Kopf iſt kugelrund“, von dem Löwen:„das Geſicht iſt faſt viereckig“. Ferner werden da die Augen der Katze als etwas beſonderes behandelt, von denen des Löwen wird geſchwiegen. Dazu vergl. u. a. auch die völlig ſyſtemloſen Geſichtspunkte betr. der Literaturperioden in Kluge's Literaturgeſchichte, oder die noch in vielen Literaturgeſchichten übliche Einteilung in Epik, Lyrik, Dramatik, Didaktik, die ſyſtematiſch genau auf derſelben Stufe ſteht wie der Satz:„In unſerer Stadt wohnen Katholiken, Proteſtanten, Juden und Bäcker.“
4. Die zweite wichtige Aufgabe iſt, daß das Apperzeptionsnetz im Bewußtſein lebendig ſei, nicht aus toten Worten und dürren lebloſen„Merkmalen“ beſtehe. Es iſt ein ganz weſentliches Verdienſt der neueren Pädagogik, gegen die tote Begriffsſyſtematik energiſch anzukämpfen. Allein ſie fällt eben dabei ins andere Extrem. Wenn z. B. M. Fiſcher(Lehrpr. 11, 89) mit Gering⸗ ſchätzung von der Aufſtellung der Gattungsbegriffe ſpricht, und fragt, ob denn das„ſucceſſiv aufſteigende(sic!) Abſtrahieren eine ſo wichtige Operation“ ſei, ſo verkennt er ganz und gar ſowohl die Bedeutung der Syſtematik, als auch die natürliche und lebensvolle Art ihrer Entwickelung. Ihre Bedeutung beſteht darin, daß ſie ein Apperzeptionsnetz ſein ſoll, in das ſich ſpäter erworbene Kenntniſſe ungezwungen einfügen können. Ihre Entwickelung aber, falls nicht Zeitreihen einen


