— 16—
richtigen lebendigen Beziehungen finden. Hier haben die Erzieher bei ſich ſelber nicht minder wie bei ihren Zöglingen mit aller Kraft zu arbeiten, damit das wirkliche Denken nicht durch bloßes Wortdenken überwuchert werde.
III. Pädagogiſche Bemerkungen.
Unter der Hand hatten wir ſchon bei der prinzipiellen Feſtſtellung der Grundrichtungen, nach denen ſich die Erkenntnis aufbaut, einige pädagogiſche Geſichtspunkte angetroffen. Dem wollen wir nunmehr, allerdings in loſerem Zuſammenhang, einige Betrachtungen über ſolche Geſichts⸗ punkte anſchließen, die uns für den Prareiſchen Betrieb des Uinterlichtes gerade heute der Betonung wert zu ſein ſcheinen.
1. Vor allem muß dem Unterricht das Ziel, die objektive Einheit der Erkenntnis vor Augen ſtehen. Dieſe Einheit iſt aber nicht dadurch zu erreichen, daß man, wie manche neuere Päda⸗ gogen wollen, mit aller Kraft nach Verbindungsfäden ſucht, welche den Stoff des cinen Lehrgegen⸗ ſtandes mit dem anderen in Beziehung bringen, ſondern in erſter Linie dadurch, daß man ihn innerhalb eines größeren feſtſtehenden Ganzen ordnet und gruppiert. Wo ſich ſtoffliche Bezieh⸗ ungen ungezwungen darbieten, wo ſie beleben und den Blick nicht von dem gerade behandelten Beziehungsort ablenken, ſind ſie willkommen zu heißen; und wenn die neuere Pädagogik hierauf hinweiſen will, kann man ihr nur dankbar ſein. Aber ſolche Beziehungen müſſen nicht in verwirrender Menge und nicht an den Haaren herbeigezogen werden, vor allem aber nicht ſelber zu Gegenſtänden ſyſtematiſcher Betrachtung gemacht werden. Die Einheit eines Bildes beſteht nicht darin, daß alle Figuren ſich berühren und Ringelreihen tanzen, ſondern darin, daß ſie harmoniſch geordnet ſind. Die Erzielung einer klaren, überſichtlichen, einfachen, objektiv feſtſtehenden und zugleich lebendigen Syſtematik iſt darum die Hauptſache beim ganzen Unter⸗ richt. Dieſe bildet das Apperzeptionsnetz, in das ſich die Einzelkenntniſſe einzufügen haben, und in das ſie ſich, ſobald es lebendig und feſt iſt, zum guten Teile ganz von ſelber einfügen. Dieſes Netz einerſeits, wie die alte Methode fordert, als dauernde Grundlage der Erkenntnis zu feſtigen, es andererſeits aber, worauf die neuere Methode zielt, vor Starrheit zu wahren, es jlebendig und funktionsfähig zu machen, iſt die ſchwere Aufgabe.
2. Um das Apperzeptionsgefüge feſt und ſicher einzuprägen, müſſen ſich die ſoſtematiſchen Einteilungen aus der Natur der Dinge ergeben und die ganze Hierarchie der Syſtematik eines Gegenſtandes muß unter ſtreng feſtgehaltenen einheitlichen Geſichtspunkten ſtehen. Geſichtspunkte, die ſich kreuzen, ſind ja nicht zu vermeiden; die natürliche Syſtematik zeigt deren genug. Die Zeit⸗ und Kauſalreihen kreuzen die Raumſyſtematik und müſſen ſelbſt wieder nach Analogie räumlicher Syſtematik gegliedert werden; ebenſo kreuzen die Klaſſenbegriffe die Raumſyſtematik und werden ihrerſeits wieder von den Begriffen der Empfindungsinhalte ꝛc. gekreuzt. Aber es handelt ſich darum, jedem Lehrgegenſtande die ihm angemeſſene Gruppierung zu Grund zu legen, ſie als herrſchende Syſtematik durchzuführen, die übrigen Begriffsordnungen da nur als beiläufige Hilfen zu behandeln, nicht aber Reihen⸗ und Gruppenbildungen nach ganz ſyſtemloſen, willkürlich gewählten Geſichtspunkten durcheinanderlaufen zu laſſen, und ganz verſchieden⸗ artige Geſichtspunkte als gleichwertig zu behandeln*). Den Beziehungsort muß allenthalben eine
*) Willmann(Lehrpr. II, S. 9) hat den Unterſchied objektiver und ſubjektiver Methodik ganz wohl gefühlt; aber ſtatt beide kritiſch an ihren Ort zu ſtellen, gibt er einige Gemeinplätze, denen keine Richtlinien zu entnehmen ſind. Wie ſehr W. übrigens ſelbſt den Mangel ſtrenger Unterlagen empfindet, zeigt ſeine Didaktik I, S. 399.


