Die objebtive Mpperzepfion
und ihre pädagogiſche Bedeutung.
———
Seit mehr als einem Jahrzehnt iſt die Pädagogik in Fluß geraten; die ältere mehr formale Methodik wird als tote Syſtematik verworfen, es wird auf den Anſchluß an das Natürliche, Nächſtliegende, auf Schaffung lebendiger Beziehungen und Verknüpfungen gedrängt. Das wäre recht anerkennenswert; aber bei dem Eifer für Neues und Beſſeres fällt der Menſch leicht in den dem getadelten entgegengeſetzten Fehler.
Und ſo ſcheint es, iſt es auch hier oft geſchehen. Man hat nach größtmöglicher An⸗ ſchaulichkeit, nach reichlichen Beziehungen und Verknüpfungen zwiſchen den Einzelkenntniſſen mit großem Eifer geſtrebt, dabei aber vielfach vergeſſen, daß die objektive Einheit, der objektive Zuſammenhang der Kenntniſſe in Syntheſe und Syſtem ſie erſt zur Erkenntnis macht und eine Grundbedingung des lebendigen Apperzipierens ſelbſt iſt. Darum iſt es keineswegs verwunderlich, wenn, trotz anerkennens⸗ werten Fleißes der„Neueren“, trotzdem die meiſten derſelben eine reichere Vorbildung genoſſen haben, als ſie uns Aelteren zu teil geworden iſt, die Ergebniſſe den Erwartungen nicht entſprechen. Nicht wenige Kollegen ſind ſogar der Meinung, daß der Pegelſtand der am Schluſſe erreichten Bildung eher niedriger zu werden drohe.
Darum möchte ich den Herren Kollegen die Frage vorlegen, ob es nicht notwendig ſei, die ſtrengeren objektiveren Grundlagen der älteren Richtung etwas mehr zu betonen, und ob es dabei nicht möglich ſei, die vielen, wirklich wertvollen Anregungen der neueren Pädagogik dennoch nutzbar zu machen.
Um dieſen Geſichtspunkt zu begründen, muß ich eine freilich etwas philoſophiſch gehaltene Abhandlung über die objektive Apperzeption und das ihr gemäße Erkenntnisverfahren vorausſchicken; dabei ſind der Vollſtändigkeit halber auch einige Ausführungen nicht zu umgehen, die ſich nicht direkt auf Pädagogik beziehen. Immerhin habe ich mich bemüht, nur die Hauptgeſichtspunkte ſo knapp und ſo anſchaulich darzulegen, als es mir bei der Natur des Stoffes, ſowie dem wenigen Raum und der kurzen Friſt, die mir gewährt worden ſind, möglich war. Wem indeſſen von den an der Pädagogik Intereſſierten derartige Unterſuchungen fern liegen und wer auf tiefere Begründung verzichtet, der möge immerhin gleich den dritten Abſchnitt, die„pädagogiſchen Bemerkungen“ leſen, die freilich nur einen kleinen Teil der Anwendung des Syſtems ſkizzieren.
——


