Aufsatz 
Über das Alter der roten Konglomerate zwischen Frankenberg und Lollar / von Georg August Philipp Stamm
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

stehen meist aus groben Geröllen, die unter 15⁰0 S. W. geneigt sind. Auf denselben lagert direkt Buntsandstein. Zwischen den Konglomeraten und dem Buntsandstein ist an dieser Stelle keine merkliche Diskordanz zu beobachten. Dagegen liegen die oberen Lagen des Buntsandsteins, welche in einem Steinbruch aufgeschlossen sind, vollständig horizontal.

Diese Thatsache könnte leicht zu der Annahme führen, die auch in der That von Dieffenbach gemacht worden ist, daß die Konglomerate die unterste Zone des Buntsandsteins bilden; aber die abgehobenen Gesteinsplatten des Buntsandsteins zeigen deutlich, daß der Buntsandstein vollständig unabhängig vom Rotliegenden ist. Die Konglomerate, welche zu oberst aus erbs- bis nußdicken Geschieben bestehen, haben eine rauhe Oberfläche, indem die einzelnen Gerölle stark über die Schichtoberfläche hervorragen. Wären nun die Sandsteine unmittelbar nach Ablagerung der Konglomerate entstanden, so würden die Gerölle fest mit, dem feinkörnigen Sandsteinmaterial verkittet sein und beim Abheben der Sandsteinplatten an denselben haften bleiben müssen. Jedoch ist dieses nicht der Fall. Die feinkörnigen Sand- steinplatten lassen sich sehr leicht von den darunterliegenden Konglomeraten abheben und zeigen auf ihrer Unterseite die glatten Eindrücke der in sie hineinragenden Gerölle.

Außerdem aber enthalten die hier sehr dünn geschieferten Sandsteinplatten auch zahl- reiche kleine Glimmerblättchen, die in den Konglomeraten vollständig fehlen. Beides, sowohl jene Eindrücke, als auch die massenhaften, sich so plötzlich einstellenden Glimmerschüppchen, beweist nach meiner Meinung auf das deutlichste, daß zwischen der Ablagerung der Kon- glomerate und der Sandsteine ein größerer Zeitraum gelegen haben muß, daß mit anderen Worten die Konglomerate dem Rotliegenden und nicht dem Zechstein angehören können.

Südlich von Niederweimar steht das Rotliegende auf beiden Seiten der Lahn an. Auf dem rechten Ufer der Lahn erscheint dasselbe bei Niederwalgern und zieht sich von da bis Fronhausen. Der Buntsandstein fehlt hier vollständig. Die Konglomerate lagern auch hier diskordant auf der Grauwacke und sind besonders im Thal durch ausgedehnte Lehmablager- ungen überdeckt.

Auf dem linken Ufer der Lahn ziehen sich die Konglomerate von Ronhausen über Hassenhausen, Bellnhausen bis zum Stauffenberg. Zwischen Wolfshausen und Bellnhausen werden dieselben ebenfalls durch Lehm bedeckt, während sie nach Osten hin wieder von Buntsandstein überlagert werden. Infolge der Bewaldung waren hier die Berührungsflächen beider Formationen nicht zu sehen und die Wolfshäuser Sandsteinbrüche waren noch nicht bis zur Sohle aufgebrochen, so daß auch hier keine Auflagerung zu konstatieren war.

Südlich von Hassenhausen aber ist die Lagerung beider Schichtenfolgen an den Sandsteinbrüchen ebenso wie bei Wehrshausen, indem die Konglomerate 150 nach N.0O. einfallen, während der überliegende Buntsandstein hori- zontal lagert.

Über die Gerölle der Konglomerate bei Bellnhausen ist noch zu erwähnen, daß die- selben hier vorzugsweise aus mitteldevonischen Kalkgeröllen bestehen. Dieselben sind meist kopfgroß und in solcher Menge vorhanden, daß man dieselben zum Brennen benutzt hat. Das massenhafte Auftreten dieser Kalke ist besonders deshalb interessant, weil in dieser ganzen Gegend derartige Kalke nirgends mehr anstehend bekannt sind; dieselben stellen sich erst bei Wetzlar und Lahnabwärts ein.