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gung in den Niederlanden Haupt und Seele verlor, wurde der stahlfeste Muth, welcher die Oranier charakterisirt, nicht gebeugt. Graf Johann forderte sogleich seinen jugendlichen Neffen Moritz, welcher auch bald darauf, noch vor seinem zwanzigsten Jahre, die in seinem Geschlechte lebende Energie glänzend zu entfalten Gelegenheit hatte, zur Treue an der Sache der Freiheit auf, und versicherte, dass er seinerseits keinen Fleiss und keine Mühe bei allem dem sparen werde, was seine Ehre und die Wohlfahrt des Ganzen befördern könnte. Auch nahm er sich fortan, soweit es die bedeutende Entfernung gestattete, der Familie sei- nes Bruders, deren Zuflucht, wie Wilhelms Tochter, die Gräfin Maria, an ihn schrieb, nächst Gott allein auf ihm stand, auf's väterlichste an.
Noch einmal im Jahre 1693 sehen wir den Grafen Johann auf kurze Zeit in den Niederlanden, während der Belagerung von Gertrui- denburg, welcher er persönlich beiwohnte. Im Uebrigen widmete er sich ganz der Regierung seiner Erblande. Und wenn seine an Opfern so reiche Mithülfe bei den Kämpfen für die politische und religiöse Freiheit der Niederlande ihm neben seinem grossen Bruder eine ehren- volle Stellung und einen dauernden Namen in der Geschichte sichert, so werden wir ihn nicht minder verehren lernen, wenn wir einen Blick auf die vielverzweigte Thätigkeit werfen, welche er als Fürst in seinem abgelegenen Gebirgsland während seiner sieben und vierzigjährigen Regie- rung entfaltet hat ³). Er stand nicht blos dem Namen nach, sondern in der That an der Spitze des ganzen Staatswesens. Wie er persönlich den regelmässigen Sitzungen der von ihm in's Leben gerufenen drei Collegien, des Kirchenrathes, des Hofgerichts und der Kammer, deren Geschäfts- kreis und-Ordnung auf das genaueste bestimmt war, präsidirte, so überzeugte er sich auch auswärts von den Zuständen des Landes qurch eigene Anschauung. Wie vielbeschäftigt mit dem Wohle desselben sein rastloser Geist stets gewesen ist, das beweisen uns auf's deutlichste die Acten aus damaliger Zeit, welche ganze Hefte von eigenhändigen Con- cepten aufweisen, in denen er alles und jedes, meist in Form von Fra- gen, sich selber klar zu machen suchte, oder seinen Räthen zur Beant- wortung überwies. Da finden wir:„Wasserley diejenigen zu bedenken, so willens und fürhabend sind zu bauen“ neben der Frage:„was für Grade zu einer Regierung zu observiren“, und„wasserley offizier und handwerker im Haus zu erhalten“. Daran schliessen sich wieder Ent- würfe von Verordnungen über Beschränkung des Luxus bei Gastereien, Hochzeiten und Kindtaufen, über die zu treffenden Massregeln bei Feuers- gefahr und bei ansteckenden Krankheiten etc., und zwischen diesen und anderen findet wieder der beherzigenswerthe Spruch eine Stelle: fortis est ille princeps, gui discernere potest inter amicum et adulatorem. Der
³) Vergl. Vogel's Nassauisches Taschenbuch 1832. S. 103 etc. 2


