Properz in seinem Verhältniss zu dem Alexandriner Kallimachus.
Mit der Eroberung und Zerstörung Korinths durch den Consul Mummius hatte Griechenland seine Freiheit und staatliche Selbständigkeit verloren. Es wurde der römischen Herrschaft unter- worfen und ging als Provinz Achaja bald ganz in dem römischen Weltreich auf.
Aber obgleich Sieger über die griechische Nation und Herr des griechischen Ländergebiets konnte Rom dem gewaltigen Gewicht des griechischen Geistes doch nicht widerstehen. Griechische Cultur übertrug sich auf alle Gebiete des geistigen wie des künstlerischen Lebens in Rom. Sitten und Gebräuche, Geschmack und Denkart der Griechen, ihre Kunst, Wissenschaft und Sprache breiteten sich im römischen Reiche überall aus, und der Einfluss des Hellenenthums auf Roms geistige Entwickelung wurde so bedeutend, dass man sagen qurfte,„das überwundene Griechenland habe Rom erobert“. Es gehörte schliesslich zum guten Ton in der gebildeten römischen Welt, so eingehend sich zu beschäftigen mit allem, was griechisch war, und die griechische Sprache so sich zu eigen zu machen, dass man nicht bloss die literarischen Schöpfungen der Hellenen zu verstehen, zu geniessen und zu würdigen im Stande war, sondern dass in den gebildeten Familien die griechische Sprache sogar zur Umgangs- und Unterhaltungssprache wurde.
Der Verlust der freien Republik hat vielleicht nicht zum geringsten mit dazu beigetragen. dass die Blúthe der römischen Literatur, jenes„goldene Zeitalter“, gerade in die Zeit fällt, wo die Sonne des jungen Kaiserthums am Himmel des römischen Weltreichs golden aufging.— Während früher der Römer seine ganze Kraft dem Dienste des freien Vaterlandes gewidmet hatte, suchte und fand er, seitdem das Staatsruder in der Hand des Einen Augustus ruhte, Ersatz und Trost dafür in Kunst und Wissenschaft, deren Träger und Pfleger bei dem Kaiser alle Begünstigung fanden und wenn vielleicht auch mehr aus Staatsklugheit als um ihrer selbst willen von ihm sogar in seine Politik mit hineingezogen wurden.
Besonders die Poesie fand unter seiner Regierung in allen ihren Zweigen die schönste Pflege und Ausbildung.— Da entstand das kunstgerechte Epos, die lyrische Dichtung nahm ihren Anfang und glücklichen Aufschwung, die Satire wurde den Verhältnissen der Zeit entsprechend redigirt, die poetische Epistel gewann Boden, das künstlerisch vollkommenste Lehrgedicht des ganzen klassischen
Alterthums verdankt der damaligen Zeit sein Entstehen, und die Elegie endlich gedieh zu ihrer Blüthe. 1


