Aufsatz 
Die Lehre Epiktet's nach seinem Manual entwickelt / von Friedrich Spangenberg
Entstehung
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in Cap. XXXIV, wo er namentlich das freudige Gefühl des Sieges, welches die Zurückhaltung von der Luſt im Menſchen erzeugt, mit dem niederſchlagenden des Beſiegtſeins durch die Macht des Reizes vergleicht. Man leſe die Worte: A ziiε, 1109 G G³⁴αειον τ σνεαε⁶εέεα Gαα rcτ Tnj viær, veνευκν⁶σν

Als andere Bedingung für die Freiheit der Handlung verlangt Gpiktet, daß ſie unabhängig ſei von dem Urtheil der übrigen Menſchheit, und das heißt nichts anderes, als daß ſie nur im Einklang ſtehe mit der Ueberlegung und Ueberzeugung, mit dem 408 des Handelnden. Dieſem folgend ſoll der Philoſoph handeln ohne Rückſicht darauf, ob ihn die öffentliche Stimme verur⸗ theile oder lobpreiſe. Unzertrennlich hiervon iſt natürlich der weitere Satz, daß der Philoſoph, obgleich er ſich nicht durch das öffentliche Urtheil leiten und beſtimmen läßt, doch dieſem ſeine Handlungen unterwirft, d. h. daß er offen vor der Welt handelt. Die Weiſe freilich, wie die Handlungen von der Welt kritiſirt werden, iſt gleichgültig; denn das iſt nicht der Maßſtab für ihren Werth(die 308. gehört ja überhaupt zu den Dingen, die 00 5&, ſind), ihre Quali⸗ tät, ihr innerer Werth wird beſtimmt durch den»oy, das Leitende im Menſchen, je nachdem dieſer ſich als mächtig oder ſchwach erwieſen hat. Man vergleiche in Cap. XXXV die Worte: örα τ§dαρeυος, ört rouντνον εσ, olfs. Iſt daher der Philoſoph durch ſeinen Loyos zu einer Handlung beſtimmt worden, ſo ſoll er ſie ausführen und getroſt der öffentlichen Kritik unterwerfen. Denn Cpiktet fügt hinzu: 16εμmQι qurns dννπσα τοσσσσσραόσι, νe d³⁴οdν τ0 ττονοο mQiάι‿‿dα επμεει αάτον υmτοαuset. Nur ſolche Handlungen erklärt unſer Syſtem für ſittlich und frei, weil ſie naturgemäß ſind, und weil ſie nicht unter der Einwir⸗ kung anderer Momente ſtehen. Der Endpunct alſo, worin dieſe einzelnen Fäden zuſammenlaufen, die Grundvorſchrift für die Handlungen, die Cpiktet ertheilt, iſt ſomit nichts Anderes, als reine Beſtimmung des Philoſophen durch ſich ſelbſt.

Vierter Abſchnitt.

Verwirklichung des Grundprincips im Philoſophen.

Wir haben es verſucht, auf den vorigen Seiten eine Geſammtidee zu ermitteln, in welcher die einzelnen ethiſchen Vorſchriften Epiktets zuſammentreffen; ſie ſtellte ſich dar als freie Selbſt⸗ beſtimmung des Philoſophen, d. h. als Beſtimmung des Philoſophen durch die in ihm dem In⸗ dividuum als 70 ſpeciell ſich ſetzende allgemeine Natur. Denn der 10os erſcheint dem Epiktet als das Naturgemäße im Menſchen, gewiſſermaßen als der Naturtrieb, der im Thiere noch In⸗ ſtinct, noch phyſiſche Nothwendigkeit iſt, aber im Menſchen ſich zur freien Vernunft erhoben hat. Cs iſt hier ein weiterer Fortſchritt des Stoicismus unverkennbar. Während nämlich die ältere