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Dienstag und Mittwoch nach Pfingsten— 18. und 19. Mai— waren wie gewöhnlich schulfreie Tage. Donnerstag 27. Mai fiel der Nachmittagsunterricht der Hitze wegen aus.
Herr Wenderoth mulste vom 31. Mai bis zum 12. Juni zwecks Teilnahme an den Landwehrübungen beurlaubt werden.— Am 1. Juni unternahmen die Realklassen einen gemeinsamen Spaziergang nach Dreieichenhain.
Die Sommerferien begannen Montag den 5. Juli und dauerten bis Samstag den 31. Juli.
Die Sedanfeier gestaltete sich diesmal wesentlich zu einem Turnfestspiele, ausgeführt von sämtlichen Turnabteilungen der Anstalt. Der Direktor machte in kurzen Worten auf die Bedeutung des Tages aufmerksam; Chorgesang leitete die Feier ein und schloſs sie.
Die Herbstferien dauerten vom 27. September bis zum 9. Oktober. Mit Beginn des Wintersemesters, 11. Oktober, traten 13 neue Schülep in die verschiedenen Klassen der Anstalt, deren Schülerzahl sich wieder auf 260, wie zu Anfang des Schuljahres, stellte.
Sonntag den 31. Oktober nachmittags ½ 3 Uhr veranstaltete die Anstalt ein Konzert in der Turnhalle, dessen Erlös zum Ankauf eines Klaviers für die Realschule bestimmt war. Der gesangliche wie der instrumentale Teil des Konzertes wurde fast ausschlieſslich von Schülern der Anstalt unter Leitung des Gesanglehrers, Herrn Bautz, ausgeführt.— Die Turnhalle war geschmackvoll dekoriert worden, Dank der Freundlichkeit der Frau Rohmer-d'Orville dahier, welche zu diesem Zwecke den Schmuck ihrer Gärten gütigst zur Verfügung gestellt hatte.— Der Gesamterlös des Konzertes betrug Mk. 313, wovon nach Abzug der Unkosten Mk. 285,20 ihrer Bestimmung übergeben werden konnten.— Der Ankauf eines Instrumentes, eines Flügels, der zwar schon gebraucht, aber noch trefflich erhalten war, erfolgte im Januar um den Preis von 550 Mark. 300 Mark konnten sofort entrichtet werden; den Rest gedenken wir im Lauf dieses Jahres zu begleichen und hoffentlich aus dem Erlös eines weiteren Konzertes. Trifft das zu, so werden unsere der- maligen Schüler der Anstalt ein Geschenk übermacht haben, das ihnen ebenso zum Vorteil wie zur Ehre gereicht.
Am 1. Nov., dem allgemeinen Buſs- und Bettag für Hessen, fiel der Unterricht aus.
Samstag den 27. Nov. abends wohnten die Zöglinge der 4 oberen Klassen in Be- gleitung ihrer Lehrer einer eigens für Schüler veranstalteten Vorstellung des„Wilhelm Tell“ von Schiller im neuen Opernhause zu Frankfurt a. M. bei.
Die Weihnachtsferien dauerten vom 24. Dezember bis zum 6. Januar incl.
Unter Führung des Herrn Stelz besuchten die Zöglinge der beiden Oberklassen:
1. das Eisenwerk des Herrn J. Wurmbach dahier;
2. die Schriftgiesserei des Herrn Kramer-Frankfurt;
3. das Kupferwerk der Herren Hesse zu Heddernheim.
Es ist uns eine angenehme Pflicht, genannten Herren für die Liebenswürdigkeit und Bereitwilligkeit, mit welcher sie unseren Zöglingen einen Einblick in ihre Werkstätten gestatteten, hierdurch ergebensten Dank auszusprechen.
Der Etat der Realschule pro 1881/82 wurde im Laufe des Monats Februar von den städtischen Behörden festgestellt. Derselbe beziffert sich in Einnahme und Ausgabe auf die Summe von 31,800 Mark. Der Zuschuss der Stadt beträgt 13,700 Mark; durch Schulgeld bleiben 18,100 Mark zu decken.
Zu der im vorigen Schuljahr unter Vorsitz des Herrn Provinzialschulrat Kretschel am 31. März nachmittags abgehaltenen Abiturientenprüfung hatte sich der Oberprimaner Heinrich Römheld aus Ginnheim, 17 ¼ Jahre alt, gemeldet. Derselbe bestand mit dem Prädikat„genügend“; er hat sich dem Kaufmannsstande gewidmet.— Gleichzeitig konnte zwei Unterprimanern die Reife für Oberprima und damit die Berechtigung zum einjährig- freiwilligen Militärdienste zuerkannt werden..


