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in einem ſehr engen Geſichtskreis bewegen, daß ihr einfaches Leben ihnen nur dürftige Anſchauungen, Vorſtellungen und Begriffe zuführt. Etwas anders ſteht es in dieſer Beziehung mit den Semina⸗ riſten, die aus einer Stadt kommen. Jedoch iſt die ſprachliche Ausbildung, die dieſe von dem Elternhauſe mitbringen, meiſt ebenfalls eine geringe, da es jetzt faſt nur noch Söhne aus ganz armen Familien ſind, die ſich hier dem Volksſchullehrerſtand widmen. Wie ſehr aber Kinder aus beſſeren Familien ſich durch größere Gewandtheit im mündlichen Ausdruck von den Kindern aus ärmeren Familien unterſcheiden, davon kann man ſich leicht überzeugen, wenn man ſich in einer ſtädtiſchen Elementarſchule z. B. ein vorerzähltes Geſchichtchen von Schülern aus beſſeren und von ſolchen aus geringeren Häuſern nacherzählen läßt.
Was das Leben den künftigen Seminariſten verweigert, das vermögen die Volksſchule und der hierauf meiſt folgende Präparandenunterricht in ihrer jetzigen Geſtalt nach den vorliegenden Erfahrungen nicht vollſtändig nachzuholen; und ſo kommt es, daß die größte Mehrzahl der ins Seminar Aufzunehmenden nicht diejenige ſprachliche Vorbereitung beſitzt, die eigentlich nothwendig wäre, wenn das Seminar in dieſer Beziehung ſein Ziel erreichen ſollte. Wenigſtens haben die Aufnahmeprüfungen in den letzten Jahren erwieſen, daß nur ſehr wenige der Geprüften einige Gewandtheit im mündlichen Ausdruck beſaßen, daß der ſchriftliche Ausdruck bei faſt allen noch viel mehr zu wünſchen übrig ließ(beſonders vernachläſſigt zeigte ſich die Orthographie), daß ferner gutes, ausdrucksvolles und vor allem natürliches Leſen eine Seltenheit war, daß endlich in der deutſchen Grammatik von einer großen Anzahl zwar Einiges auswendig gelernt, aber ſehr wenig verſtanden war. In früherer Zeit ſcheint dies im Allgemeinen nicht viel beſſer geweſen zu ſein; doch ſtellte ſich die Sache deshalb günſtiger, weil in den Aufnahmeprüfungen immer eine weit größere Anzahl zur Auswahl da war, als dies jetzt der Fall iſt, und weil ſich auch noch mehr ältere Leute zur Aufnahme ins Seminar meldeten,.
Es hat alſo der Sprachunterricht im Seminar nicht nur mit den Schwierigkeiten zu kämpfen, die in der Natur der Sache liegen, denn der Unterricht in der Mutterſprache gehört wohl über⸗ haupt zu den ſchwierigſten Unterrichtsfächern; ſondern es erwachſen unſerer Anſtalt noch ganz beſondere Schwierigkeiten aus der Eigenthümlichkeit der Schüler und vornehmlich durch den mangelhaften Unterricht, den unſere Schüler vor ihrem Eintritt in das Seminar erhalten.
Vergleicht man das Seminar mit anderen höheren Lehranſtalten, ſo iſt daſſelbe in ſeinem deutſchen Unterrichte auch noch ganz beſonders deshalb im Nachtheil, weil es jeder fremden Sprache entbehrt. Wie ſehr aber das Erlernen einer freinden Sprache das Verſtändniß und die Hand⸗ habung der Mutterſprache fördert, das bedarf hier keiner weiteren Auseinanderſetzung.
Vergegenwärtigen wir uns nun, was das Seminar trotz der angegebenen ganz beſonderen Schwie⸗ rigkeiten eigentlich leiſten ſollte, ſo wird man erkennen, daß uns hier eine Aufgabe geſtellt iſt, deren vollſtändige Löſung unter den gegenwärtigen Verhältniſſen billiger Weiſe nicht erwartet werden kann.
Der Lehrer, deſſen eigentliches Werkzeug bei ſeinem Beruſe die Sprache iſt, bedarf, wenn ſeine Thätigkeit erfolgreich ſein ſoll, großer Sicherheit und Gewandtheit im mündlichen wie im ſchriftlichen Ausdruck. Er ſoll ja nicht nur im Stande ſein, ſeinen Schülern einen Gegenſtand klar, beſtimmt und faßlich darzulegen, ſondern auch Leichtigkeit, Kraft und Fülle der Rede genug beſitzen, daß er auch der Wärme ſeiner Empfindungen Worte zu verleihen vermag. Er ſoll ſeinen Schülern zugleich das nachzuahmende Muſter in klarem, ſachgemäßem, in correctem, ſchönem und beſonders natürlichem Ausdruck ſein. Doch das genügt noch nicht. Der künftige Lehrer muß auch befähigt werden, daß er ſelbſt einen planmäßigen Unterricht in der hochdeutſchen Sprache zu ertheilen vermag.
Daß derjenige aber, welcher einen Gegenſtand zu lehren hat, tiefer in denſelben eingedrungen ſein, denſelben in ganz anderer Weiſe beherrſchen muß als jemand, der ihn nur im praktiſchen Leben zu verwenden hat, iſt leicht einzuſehen. Die methodiſche Anweiſung allein kann den Mangel an Verſtändniß und an eigenem Können nimmermehr erſetzen. Sie iſt vielmehr nur dann frucht⸗ bringend, wenn der betreffende Unterrichtsgegenſtand möglichſt tief und allſeitig erfaßt iſt, ſo daß er mit klarem Bewußtſein nun auch nach pädagogiſchen Rückſichten verwendet, ausgewählt, vertheilt werden kann. Vor nichts hat ſich das Seminar mehr zu hüten, denn die Gefahr liegt hier wirklich nahe, als vor pädagogiſchen und methodiſchen Beſprechungen über Dinge, die an und für ſich noch nicht von den Seminariſten verſtanden oder überhaupt für ſie noch nicht faßbar ſind;


