Aufsatz 
Allgemeines über den Unterricht in der deutschen Sprache. Über den Unterricht in der deutschen Grammatik. Über die theoretisch-praktische Einführung der Seminaristen in den Unterricht im Deutschen innerhalb der Volksschule
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2. ein Zeugniß des Schulvorſtandes über das geſammte Verhalten des Präparanden und über Stand und Verhältniſſe der Eltern, insbeſondere auch, daß denſelben die erforder⸗ lichen Mittel zum Unterhalte des Präparanden im Seminar zu Gebote ſtehen;

3. ein Zeugniß des Kreis⸗Medicinalamtes über den Geſundheitszuſtand und die körper⸗ liche Beſchaffenheit des Präparanden und ein Impfſchein nebſt Beſcheinigung, daß der Prä⸗ parand innerhalb der 2 letzten Jahre revaccinirt worden iſt; 1

4. ein Tauf⸗ reſp. Geburtsſchein;.

Die Einſendung dieſer Schriftſtücke geſchieht durch den Orts-Schulvorſtand auf dem Dienſtwege ſpäteſtens 14 Tage vor der Aufnahmeprüfnug.

Der Präparand muß bei der Aufnahme ins Seminar vor dem 1. Juli des betreffenden Jahres das 16. Lebensjahr zurückgelegt haben und in den nachbenannten Unterrichtsgegenſtän⸗ den die hier näher bezeichnete Befähigung jedenfalls beſitzen*).

1. Religion..

Wort⸗ und Sachkenntniß des Katechismus, der wichtigſten Bibelſprüche und Lieder des kirchlichen Geſangbuchs, ſowie Kenntniß der bibliſchen Geſchichte nach dem im Seminar ein⸗ geführten Handbuche.

2. Leſen. Geläufiges, deutliches und ſinnrichtiges Leſen und die Fähigkeit, Rechenſchaft über den Sinn des Geleſenen zu geben.

3. Schreiben. Regelmäßige und gelänfige Schrift, deutſche und lateiniſche.

4. Sprachlehre. Kenntniß des einfachen, erweiterten, zuſammengezogenen und zuſammen⸗ geſetzten Satzes und der Interpunktion im Allgemeinen; Kenntniß der Wortlehre, beſonders der Wortarten und der Biegung der Ding-, Eigenſchafts⸗ und Zeitwörter. Dabei wird die Uebung aller dieſer grammatiſchen Kenntniſſe an Leſeſtücken vorausgeſetzt.

5. Aufſatz. Einfache Aufſätze, Beſchreibungen oder Erzählungen, orthographiſch und ſatzrichtig. Hierin wird fleißige und dauernde Uebung vorausgeſetzt. Die Aufſatzhefte des letzten Jahres ſind vom Präparanden vorzulegen.

6. Rechnen. Genaue Kenntniß des Zahlenſyſtems; Fertigkeit im Zahlenſchreiben; die vier Rechnungsarten in unbenannten und benannten Zahlen; Kenntniß der Brüche und Dezimalbrüche und der vier Rechnungsarten in denſelben, des Drei⸗ und Fünſſatzes nach der Einheitsmethode. Kopfrechnen auf allen dieſen Stufen in leichten Beiſpielen. Kenntniß der gebräuchlichſten Geldſorten, Maße und Gewichte.

7. Geographie. Das Großherzogthum Heſſen, Dentſchland und Paläſtina ſpeciell; Europa allgemein. Ueberſicht der geographiſchen Lage der Welttheile auf der Karte.

8. Geſchichte. Die deutſche Geſchichte in ihren Hauptmomenten.

4 9. Formenlehre und Zeichnen. Kenntniß und Zeichnen der Linien, Winkel, Flächen und einfachen geometriſchen Körper, ſowohl mit Zirkel und Lineal, als freier Hand.

10. Naturgeſchichte. Aus dem Thier⸗, Pflanzen⸗ und Mineralreiche Kenntniß der Haupteintheilungen und Unterſcheidung der Hauptklaſſen unter einander.

11. Geſang. Bei guter Gehöranlage Uebung, um angeſchlagene Töne richtig benennen und leichtere Notenſätze treffen zu können. Inſofern nicht Mutation der Stimme die Singübungen des Präparanden hinderte, muß derſelbe im Stande ſein, die bekannteſten Melodien zu den im kirchlichen Geſangbuch befindlichen Liedern nach dem eingeführten Choralbuch richtig zu ſingen.

12. Klavier und Orgel. Fertigkeit im Spielen der Dur⸗ und Moll⸗Tonleitern. Vortrag leichterer Stücke vom Blatte und leichter Choräle aus dem eingeführten kirchlichen

Geſangbuch auf der Orgel. 13. Violine. Spielen der gebräuchlichſten Tonleitern und leichterer Choräle und Lieder.

Derjenige, der in ein Seminar eintreten will, ohne den regelmäßigen Weg der Vor⸗ bildung füͤr ein ſolches gegangen zu ſein, ſoll von der Aufnahme nicht ausgeſchloſſen ſein, wenn er in ſittlicher und religiöſer Beziehung gute Zeugniſſe beibringt und wenn ſeine Vor⸗ bildung bei der Aufnahmeprüfung als vollſtändig genügend befunden wird.

*) Bei den einzelnen Unterrichtsgegenſtänden ſind die in den Seminarien gebräuchlichen Lehrbücher zu Grunde zu legen.