Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Stadt Worms / von F. Soldan
Entstehung
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ſämtliche Barſchaft angegriffen und einige tauſend Gulden auf⸗ genommen und ſo das Geforderte herbeigeſchafft hätte.

Kaum war dies geſchehen, ſo kam ein neuer Befehl, nach welchem die Stadt für den Monat Dezember weitere 20430 Rationen je 20 Pfund Heu und 5 Pfund Stroh und 1 Boisseau Hafer oder Spelz, ferner 205 ¼ Klafter Holz, jedes Klafter 6 Schuh im Quadrat haltend und jedes Scheit von 3 ¾ Schuh Länge, liefern ſollte. Ein gleiches Quantum ſollte jeden Monat, ſo lange das Winterquartier dauern würde, aufgebracht werden.

Nun wußte ſich der Rat nicht mehr anders zu helfen, als daß er die 17 Zunftmeiſter einberief, um mit ihnen zu beraten, was zu thun ſei. Sie ſtellten ihnen vor, daß die Stadtkaſſe voll⸗ ſtändig erſchöpft ſei, und ſchlugen vor, einſtweilen eine doppelte Schatzung der Bürger vorzunehmen und inzwiſchen alles Mög⸗ liche anzuwenden, um einen Nachlaß von der ungeheueren Forder⸗ ung zu erwirken. Die Zunftmeiſter ließen auch ein bewegliches Schreiben aufſetzen und dasſelbe dem Herrn Marſchall durch drei Mitglieder des Rats, ſowie den Bürgermeiſter und drei Vertreter der Bürgerſchaftſubmiſſeſt überreichen. Die Antwort lautete ſehr wenig tröſtlich:Man ſollte alles anwenden, um einſtweilen den dermaligen Anſatz auszuliefern, und alsdann würde man auf das weitere bedacht ſein. So war man denn gezwungen, den Bürgern die doppelte Schatzung aufzulegen und Anſtalten zum Ankauf von Fourage zu machen.

übrigens verlangte der Marſchall eine genaue Aufzeichnung aller in der Stadt noch vorhandenen Lebensmittel. Dieſe erhielt er. Aber trotzdem ließ er am 6. Jan. 1745 noch einmal eine genaue Durchſuchung aller Häuſer durch franzöſiſche Offiziere mit Beihilfe eines ſtädtiſchen Beamten vornehmen. Da ſtellte ſich denn heraus, daß ein großer Mangel an Lebensmitteln in der Stadt herrſchte, und ſo erfolgte am 12. Jan. eine Herabſetzung des monatlichen Anſatzes auf die Hälfte. Aber auch das war noch eine viel zu ſchwere Laſt.

Jedoch um die angedrohte militäriſche Exekution und Ver⸗ wüſtung der Weingärten und Felder zu vermeiden, mußte der