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lehnte. überſchaut man ferner, wie ihn als Dichter und Schriftſteller grade in der letzten Zeit das Unglück verfolgt hatte, wie ſeine Dramen, an deren Aufführung das ganze Herz des Dramatikers hing, ſchnöde beiſeite geſchoben und abgelehnt wurden, und wie auch das patriotiſche Blatt, das er redigierte, durch die Zenſur vernichtet wurde, ſo kann man wohl verſtehen, wie ihm das Leben verleidet war. Er erſchoß ſich zu⸗ ſammen mit einer geſellſchaftlich befreundeten Dame, die gleichfalls des Lebens überdrüſſig war, am Wannſee bei Berlin am 21. November 1811.
Ohne Klagen oder moraliſche Vorwürfe ſtelle der Lehrer die Gründe zuſammen, die Kleiſt in den Tod trieben, und faſſe dann die Summe dieſes Dichterlebens nochmals in warmen Worten zuſammen. Kleiſts Leben iſt ein ergreifendes Bild gewaltigen Ringens eines Men⸗ ſchen mit ſich ſelbſt und mit dem Schickſal, eines Ringens und Kämpfens um die höchſten Güter des Erdenlebens, das aber vom Unglück verfolgt wurde, und dem ein tragiſches Geſchick ein vorzeitiges und erſchütterndes Ziel ſetzte. Und ein ſolches Bild wahrer menſchlicher Größe wird, wenn anders der Lehrer verſteht, es jungen, empfindungs⸗ und begeiſterungs⸗ fähigen Gemütern nahezubringen, eines tiefen ſittigenden Eindrucks nicht entbehren. Warm und lebendig muß der heiße Lebenskampf Kleiſts geſchildert werden, aus der Fülle des Stoffes heraus, und der Vortrag muß belebt werden durch Heranziehung der bedeutendſten Briefe, die der beſte Spiegel der Seele des Dichters und ſelbſt zum Teil herrliche Kunſtwerke ſind.
So muß der Lehrer des Deutſchen, ſelbſtvertraut mit Kleiſt und der Kleiſtforſchung, durch die Mittel einer wohlerwogenen Methode nicht bloß die bedeutendſten Werke Kleiſts, ſoweit ſie nach Stoff und Gehalt in den Rahmen der Schule hineinpaſſen, der Jugend nach der Schönheit ihrer Form und dem Reichtum ihrer Ideen zum Verſtändnis bringen und ihr lieb und wert machen, ſondern auch den Menſchen Kleiſt in ſeinem Leben und Streben der Jugend vor Augen ſtellen, wie er mit Mannesmut und Tapferkeit, ja Leidenſchaft und Schroffheit in einem an Tragik ſo reichen Leben für ſeine künſtleriſchen und nationalen Ideale gekämpft und gerungen hat, bis er zerbrach unter der Stahlfauſt eines gigantiſchen Schickſals.


