Aufsatz 
Indra's Drachenkampf
(nach dem Rig-Veda)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

II. Schulfeste.

Das Maifest wurde am 17. Mai in üblicher Weise begangen; bei freundlicher Witterung zogen die ein- zelnen Klassen unter Führung ihrer Klassenlehrer nach dem Taunus, dem Spessart, der Bergstrasse und dem Rhein.

Wie in den vorausgehenden Jahren, wurde auch in diesem wiederum ein Wettschwimmen von Schülern aller Klassen abgehalten Es fand vom Wetter begünstigt unter reger Beteiligung am 14. August in der Klee- blattschen Badeanstalt statt. Die Leitung lag wie bisher in den Händen von Herrn Oberlehrer Michelis. Von Freunden der Schule waren Preise gestiftet. Im Wettschwimmen um die Meisterschaft siegte Rehorn II..

Als Abschluß der sommerlichen Turnspiele wurde auf der Hundswiese ein Schlagballwettspiel und ein Wetturnen für alle höheren Schulen unter Leitung des Herrn Turninspektors Weidenbusch veranstaltet. Im Schlagball waren zwei Abteilungen aus Schülern über und unter 16 Jahren gebildet. Zu jener hatten sich 4 Schüler, zu dieser 7 gemeldet. Unsere Anstalt errang in beiden Abteilungen den 1. Preis. Im Wetturnen erhielten folgende Schüler Preise: 1. Abteilung: Bailly IIra(1. Preis), Brittner I b(5. Preis), Barabas II.(6. Preis), Bertalot I und von Möllendorf Iob(7. Preis); 2. Abteilung: Stein IIr b(3. Preis), Mos- bacher IIn b(10. Preis), Braunwart II,(5. Preis).

Am 3. und 5. November veranstalteten die Schüler lder oberen Klassen in der Aula des Gymnasiums eine theatralisch-musikalische Aufführung. Dargestellt wurde der Odipus auf Kolonos von Sophokles in der Über- setzung von Wilhelm Jordan und ein Teil aus Schillers Demetriusfragment. Indem so der griechische und deutsche Dichter nacheinander zu Worte kamen, stellte sich der Abend in den Dienst der beiden großen Ziele des Gymnasiums, der humanistischen und der nationalen Erziehung. Der Eindruck, den das Stück des Sophokles, aufgeführt von natürlich und warm empfindenden Jünglingen, auf alle Anwesenden machte, war unverkennbar ein tiefgehender, weil das in jedem Menschenherzen schlummernde religiöse Gefühl in einer für alle Zeiten und Völker verständlichen Weise geweckt und zum Bewußtsein gebracht wurde, und diese erhöhte Stimmung ließ auch den Mangel an Handlung übersehen. Als Darsteller der Titelrolle zeichnete sich Carlebach I, aus, aber auch mancher andere Darsteller erwarb sich an dem Abend bisher ungekannte schauspielerische Lorbeeren. Wie in früheren Jahren sind wir auch diesmal wieder Herrn Professor Hermann zu besonders großem Danke verpflichtet. Er verstand es durch seine unermüdliche und sachkundige Leitung und ebensosehr durch das persönliche Interesse, das er allen Beteiligten entgegenbrächte, und den dadurch bewirkten persönlichen Einfluß die Aufführung zu einer so eindrucksvollen zu gestalten. Seine Bemühungen fanden eine wesentliche Förderung durch die Chor- gesänge, deren Einübung der Gesanglehrer des Gymnasiums Herr Reil übernommen hatte. Auch ihm sei an dieser Stelle für die treue und erfolgreiche Mitwirkung herzlich gedankt.

Am Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers hielt Herr Oberlehrer Ankel die Festrede. Aas- gehend von einer Erörterung der Grundbedingungen der italienischen Renaissance, die er in der politischen und sozialen Entwicklung der florentinischen Stadtrepublik und in der auf Franziskus von Assisi zurückgehenden religiösen Bewegung des dreizehnten Jahrhunderts sieht, gab der Redner in grossen Zügen eine Darstellung dieses wichtigen Kulturabschnittes bis zum Ausgang des fünfzehnten Jahrhunderts mit besonderer Berücksichtigung der bildenden Kunst und unter Hervorhebung vor allem der Bedeutung Cosimos und Lorenzos de Medici. Die zum Vortrag gelangenden Gedichte hatten meist kulturelle Gegenstände zum Inhalt. Sattler und Nelte aus Iab sowie Volger aus III, steuerten Instrumentalvorträge bei. Während der Feier überreichte der Unterzeichnete das von Seiner Majestät dem Kaiser als Prämie für diesen Tag verliehene Werk von WislicenusDeutschlands Seemacht einst und jetzt dem Oberprimaner Erich Ruhemann, indem er zugleich kurz darauf hinwies, daß die Forderung einer achtunggebietenden deutschen Flotte eine recht volkstümliche Forderung sei und daher im Frankfurter Parlament von allen Seiten begeisterte Vertreter gefunden habe; ihre Verwirklichung aber sei der natürliche Ausdruck der Machtstellung des deutschen Reiches, die im schärfsten Gegensatze stehe zu der politischen Ohnmacht Deutschlands in den vierziger Jahren. Dank schulde das deutsche Volk seinem Kaiser, der mit weit-

ausschauendem Geiste sich die Förderung der deutschen Seewehr besonders angelegen sein lasse.

III. Prüfungen.

Zur Reifeprüfung hatten sich Ostern 23 Oberprimaner gemeldet. Die schriftlichen Arbeiten wurden in den Tagen vom 6. bis 10. Februar angefertigt. Die mündliche Prüfung fand am 15. und 16. März statt. An dem ersten Tage und dem Morgen des zweiten hatte Herr Oberregierungsrat Dr. Pähler den Vorsitz, darauf der Unterzeichnete. Von den 21 zur Prüfung zugelassenen Schülern konnte 19 das Zeugnis der Reife erteilt werden. 7 wurden von der mündlichen Prüfung befreit.