25
III. Chronik.
1. Unterricht, Veränderungen im Lehrerkollegium.
Am 12. April wurde das Schuljahr mit einer gemeinsamen Andacht in der Aula eröffnet.
Für den in den Ruhestand versetzten Herrn Prof. Dr. Trommershausen trat mit dem Beginne des Schuljahres Herr Oberlehrer Schuster in das Lehrerkollegium ein. Er berichtet über seinen Lebensgang wie folgt:
„Hermann Schuster wurde am 3. Februar 1874 zu Uelzen(Prov. Hannover) geboren, besuchte zuerst das beimatliche Realprogymnasium und dann das Gymnasium zu Hameln, wo er Ostern 1892 die Reife- prüfung bestand. Er studierte 4 Jahre in Göttingen und Greifswald ev. Theologie und legte zu Ostern 1896 in Halle die Turnlehrerprüfung und in Hannover die erste theologische Prüfung ab. Den Sommer 1896 studierte er wiederum in Göttingen und ging dann für zwei und ein halbes Jahr als Hauslehrer nach Buenos Aires. Ostern 1899 in die Heimat zurückgekehrt, absolvierte er den sechswöchigen pädagogischen Kursus der evangelischen Theologie am Seminar zu Mettmann und bestand im Januar 1900 die zweite theologische Prüfung in Hannover. 10 Wochen unterrichtete er hierauf aushilfsweise am Realprogymnasium seiner Vaterstadt. Von Ostern 1900 bis Michaelis 1902 war er Inspektor am theologischen Stift der Universität Göttingen, nebenbei beschäftigte er sich mit philologischen Studien. Vom Herbst 1902 an war er Alumnatsinspektor und zunächst provisorischer wissen- schaftlicher Hulfslehrer am Gymnasium zu Höxter(Westf.). Am 14. Februar 1903 bestand er in Göttingen die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen. Vom 1. April 1904 ab ist er zum Oberlehrer ans Lessing- Gymnasium ernannt worden.“
Nachdem schon im vorigen Jahre mit Rücksicht auf die Zahl der katholischen Schüler statt der früheren drei Abteilungen deren fünf für die katholische Religionslehre eingerichtet worden waren, erfuhr dieser Unter- richt im dem laufenden Jahre eine weitere Förderung, indem Herr Kaplan Manns vom 1. April 1905 ab zum
Aushilfsoberlehrer ernannt worden ist. Die Anstalt ist den städtischen und staatlichen Behörden zu großem Danke verpflichtet, da nunmehr die für die Erfolge jedes Unterrichtes so wichtige Stetigkeit auch für den Religionsunterricht gewährleistet ist.
Der seit Ostern 1902 von der städtischen Schulbehörde eingeführte wahlfreie Unterricht in der israelitischen Religion wurde auch im abgelaufenen Schuljahr von der Mehrzahl der israelitischen Schüler besucht. Zu Beginn des Schuljahres erfolgte auf der Oberstufe ein Wechsel.der Lehrer, da Herr Dr. Lazarus an Stelle des Herrn Fuchs trat.
Für den an das Kaiserin Friedrich-Gymnasium in Homburg v. d. H. berufenen Herrn Oberlehrer Kasper wurde Herr Aushilfsoberlehrer Werner der Anstalt überwiesen.—
Herrn Professor Dr. Pelissier wurde im August und September ein Urlaub von acht Wochen be- willigt, um ein größeres Werk über die Frankfurter Landwehr zum Abschluß zu bringen. Die Schule verfehlt nicht, den Behörden für das bewiesene Entgegenkommen geziemenden Dank zu sagen. Herrn Professor Pelissier wünschen wir gutes Gelingen für seine weite Kreise unsrer Stadt interessierenden Untersuchungen.
Das wichtigste und in das ruhige Gleichmaß des täglichen Unterrichtes am schärfsten einschneidende Ereignis des verflossenen Schuljahres ist das am 1. Januar 1905 erfolgte Scheiden des bisherigen Direktors des Lessing-Gymnasiums, des Herrn Prof. Dr. Baier, dem die besondere Auszeichnung der Berufung in das Königliche Provinzial-Schulkollegium zu Cassel zuteil wurde. Seit dem 1. April 1884 als Oberlehrer an dem städtischen Gymnasium zu Frankfurt a. M. wirkend, übernahm er am 1. April 1892, als die gemeinsame Anstalt in zwei Abteilungen getrennt wurde, die Leitung derjenigen Abteilung, die die alte Einrichtung des Gymnasiums weiterführte, und als diese am 1. Januar 1897 als Lessing-Gymnasium volle Selbständigkeit erhielt, übertrug ihm das Vertrauen der städtischen und staatlichen Behörden die Direktion der neuen Anstalt. Acht Jahre lang hat Herr Direktor Baier mit reichem Segen gewirkt. Während dieser Zeit hatte er die Freude, sein unermüdliches Bestreben, dem Lessing-Gymnasium eine modernen Ausprüchen entsprechende Heimstätte zu bereiten, von dem
schönsten Erfolg gekrönt zu sehen. Was wir alle, Lehrer wie Schüler, ihm zu verdanken haben, kam des Näheren zum Ausdruck, als es kurz vor und nach Weihnachten galt, dem verehrten Manne Lebewohl zu sagen.


