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Sowie Walther in diesen letzten Sprüchen nicht nur gegen die Anmassung des römischen Stuhls in politischer Beziehung, sondern mehr noch gegen die von Rom ausgehenden Missbräuche der Kirche überhaupt seine Waffen richtet, so eifert er auch in heiligem Zorn gegen Ablass ¹) und Simonie, indem er(Pf. 111. Si. 50) den Geistlichen warnend zuruft, sie möchten sich vor den Teufelsstricken hüten, mit denen der Papst sie verführen will. Hat der Papst St. Peters Schlüssel, warum befolgt er dann nicht St. Peters Vorschrift(Ap. Gesch. 8,20), dass man Gottes Gabe(d. i. Sündenvergebung und die in dem Amt enthaltene Vollmacht zur Sündenvergebung) nicht kaufen oder verkaufen darf? Warum verletzt er dieses Gebot der heiligen Schrift? Das lehrt ihn sein schwarzes Buch, das ihm der Höllenfürst gegeben hat. Dass in dieser Zeit, da von Rom so viel Unheil ausgeht und die Geist-
lichen den Laien ein böses Vorbild geben, nicht alle Christen zu Schanden werden, das vermag nur Gott durch seine Liebe zu hindern(Pf. 114. Si. 51. Wi. 83,61):
Ein Herz, das sich in diesen Zeiten nicht verkehret, Da nun der heil'’ge Vater selbst den Ketzerglauben mehret, Dem wohnt ein sel'ger Geist und Gottes Minne bei, Nun schauet, was der Pfaffen Werk, was ihre Lehre sei. Werk und Lehre waren einst von gleicher Reine; Jetzt haben Lehr' und Werk nur das Gemeine, Dass wir sie unrecht wirken sehn und unrecht hören sagen, Die uns guter Lehre Vorbild sollten tragen. Drum mögen dumiae Laien wohl verzagen; Auch fürcht' ich, dass mein guter Klausner sehr darüber weine.
Die höchste Schärfe erreicht Walthers heftige Sprache in dem beissenden, aber schwungvollen Spruch, in welchem er den Papst als einen im Dienst des Teufels stehenden Zaubrer hinstellt. Er vergleicht ihn mit Gerbert, der als Silvester II 999— 1003 auf dem römischen Stuhl sass und wegen seiner hervorragenden Kenntnisse in der Mathematik und den Naturwissenschaften für einen Zaubrer galt. Nach der Sage hatte er sich mit Hülfe des Teufels die höchste Würde der Christenheit ver- schafft und ward auch zuletzt vom Teufel geholt. So steht auch, sagt Walther, der Papst Innocenz mit der Hölle im Bunde(Pf. 110, Si. 49. Wi. 83,41):
Der Stuhl zu Rom ist wiederum so wohl pehütet, Als von Gerbrecht, dem Zauberer, der einst darauf gewütet. Doch wührend jener nur sich selbst der Höll' ergeben, Gab dieser sich ihr preis und all die Christenheit daneben. Wir wundern uns, dass Gott noch säumt mit seinen Strafen, Wir rufen ihm, wie lang er wolle schlafen. ²) Sie widerwirken seinem Werk, verfälschen ihm sein Wort, Sein Kümmerer veruntreut seinen Himmelshort, Sein Richter mordet hier und raubet dort, Sein Hirte ward zu einem Wolf ihm unter seinen Schafen.
¹) Freidk. S. 150,20. Sünde nieman mac vergebn, wan got al ein; dar sule wir strebn.
²) Ps. 44,24. Erwecke dich, Herr, warum schläfst du? Wache auf und verstosse uns nicht so gar.


