Aufsatz 
Die Lorelei / von Adolf Seyberth
Entstehung
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Diefenbach, origin. Europ. 220; über den Zwerg Laurin, der in der Sache Holda entſpricht, wie das Wort die männliche Form iſt von Laura(vgl. das lateiniſche Lavinia, Launa-Lara bei Preller, römiſch. Myth. 682) und der von ſeiner Gemahlin einen Zauberring erhält, der dem Ring der Brunhild, dem beſten Kleinod des Nibelungenſchatzes, gleich zu ſtellen, Mannhardt, Mythen 449, 456; über den tiroliſchen Grafen Lorenz, der wol gleich iſt dem ebenfalls tiroliſchen Laurin, Grimm Heldenſ. n. 148.

Aus Skandinavien.

In der Edda wird des Wolkenbaumes Yggdrasil Wipfel auch als ſelbſtſtändiger Baum gedacht und Leradr genannt. Mannhardt, Myth. 551. Er wird wol als Lerchenbaum zu denken, der erwähnten Lerche in Tirol gleich zu ſtellen und in Wort und Sache die Beziehung zu Lora, wie im lateiniſchen laurus zur altlateiniſchen Lara(ſ. unten) zu erkennen ſein. Der Hirſch, der nach der Edda ſeine Zweige abweidet, iſt der der Jungfer Lorenz.

Als Thor's Pflegemutter oder Pflegetochter wird Hlöra angegeben, die Funkelnde; in dem⸗ ſelben Sinne heißt er auch Hlorridi, der in der Gluth dahinfährt.¹) Simrock, Myth. 282.

ceer iſt ein Beiname Oegir's, der dem Thor gegenüber ſteht, wie Vritra dem Indra, und das Wort enthält die Beziehung zur Wolke. Mannhardt, Myth. 84. Sollte er von der Wolkengöttin in der Art genannt ſein, wie die indiſche devapati, ſo lange ſie in der Gewalt Vritra's iſt, von ihm dasapati(Feindes Gemahlin) genannt wird?

Im Helgiliede heißt die widergeborne Sigrun, welche mit Brunhild identiſch iſt, Kara: (Mannhardt, Myth. 292.) Dafür lieſt Rask Lara; Grimm iſt dagegen, aber ſollte jener nicht doch Recht haben? Ich hoffe es einmal wahrſcheinlich zu machen.

Lofar oder Lovar nimmt unter den Zwergen eine ähnliche Stellung ein, wie Holda in Deutſchland. Simrock. Myth. 111, 456.

Ueber die Bedeutung des Wortes Lora(Lura, Laura) vergleiche zunächſt Benfey, Griech. Wurzelwörterbuch II, 122:

12, 14; e und 4 durchgängig im Wechſel, daher der ssk. Wzf. ri⸗Vocal zuzuſprechen; ſonſt tritt a, u als Wurzelvocal in's Beſondere hervor. Dieſe Wäl. bezeichnet die Gluth des Feuers, dann glänzen u. ſ. w. Im Ssk. erſcheint die Wzf. mit gl und Vocal u nur in glau, Mond(der leuchtende? vrgl. 1«νi⁶⁷) in allen übrigen hierher gehörigen Ffm. iſt das anlautende g eingebüßt, ſo daß ſie mit r oder l anlauten. Am meiſten hat ſich der organiſche Anlaut im Deutſchen erhalten; mit a: ahd. glat(glänzend Graff IV, 278), glanz, glas u. ſ. w., goth. glaggv, ahd. glav perspicax u. ſ. w.(Graff IV, 294); mit Verluſt des g: ahd, law-er tepidus,²) nord. mit h(für g): hlua fovere u. ſ. w. u. ſ. w.

*) Mannhardt überſetzt wol mit weniger Recht der Erdfahrer. Uebrigens mag der Beiname Thor's, der Fuhrmann(Mannhardt, Myth. 121) zur Beſtätigung meiner Auffaßung jener harziſchen Sage von Fuhrmann, dem Lora hilft, dienen.

²) Neuhochdeutſch gehört hierher Lauer und in unſerm Dialcte das masc. Lauer(der Lauernde), auch Lawine.