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der Definitorialprüfung für Lehrer am 1.— 4. Juni 1908 zu Darmſtadt lautete: Warum bezahlen wir Steuer? Man ſieht, der bürgerkundliche Aufſatz iſt da; es gilt nur, ihn anzuerkennen, zu verbreiten und aus Heſſen hinauszutragen ins Reich. Dazu aber wird beitragen, wenn man an Lehrproben zeigt, wie der etwas ſpröde Stoff in den Geſichts⸗ kreis des Schülers zu rücken und zur geiſtigen Aufnahme zurecht zu machen iſt.
Denn gerade bei den bürgerkundlichen Stoffen iſt ſorgfältige Vor⸗ bereitung erfor derfiche Auswahl des Stoffes und ſeine Formung bieten erhebliche Schwierigkeiten; die Uebertragung aus der Kanzlei in die Schulſtube ün. nicht ſo leicht.
Vorliegende Sammlung probiert es, dieſe Schwierigkeiten zu über⸗ winden und rſberdern durch Ableitung und Entwicklung das Intereſſe des Schülers wach zu halten. Vieles Tatſächliche muß freilich dogmatiſch gegeben werden; aber vieles läßt ſich doch auch entwicklen und erfragen. Daß die in Klammer beigeſetzten Antworten nun auch immer wie aus der Piſtole geſchoſſen erfolgen, bilde ich mir natürlich nicht ein, dafür bin ich ſchon zu lange im Unterricht tätig, ſie ſollen dem Lehrer das Tatſächliche geben und das Ziel zeigen Sind weiter
n, worauf er loszu iſtenern hat. e Swiſchenfragen nötig, wird er ſie ſchon finden. Im übrigen ergibt ſich die Antwort gewöhnlich aus der folgenden Frage.
Iſt irgend ein Thema nach dem in dieſer Sammlung gegebenen Muſter behandelt, ſo laſſe ich einige Seit, 8— 14 Cage, verſtreichen, damit die Sache„ſich ſetzt“ und zu Hauſe durch die Eltern ergänzt und erörtert wird denn nach meinen Erfahrungen finden gerade ſolche bürgerkundlichen Aufſätze leicht den Weg in die Familie; dem Lehrer, der ſeinen Unterricht objektiv erteilt, kann das nur erwünſcht ſein. Nebenbei bemerkt, irgendwelche politiſchen Tendenzen, und ſeien es auch patriotiſch gemeinte, mit dieſem Unterricht zu verknüpfen, halte ich für verkehrt. Jeder Tendenzunterricht ſchädigt allemal die Sache, der er zu dienen denkt.
Dann gehe ich dieſelbe Sache nochmals in der Schule durch, und dann erſt laſſe ich ſie als Klaſſen⸗ oder Hausaufſatz niederſchreiben. Für beide Arten können die Schüler zu Hauſe das Buch zur Vorbereitung benützen; Klaſſenaufſätze veranlaſſen freilich entſchieden mehr die Durch⸗ arbeitung und freie Geſtaltung. Wie auch die Bereicherung des Sprach— ſchatzes und der Wechſel im Ausdruck dabei gefördert werden können, iſt an einzelnen Beiſpielen gezeigt. Beſitzen die Schüler das Buch nicht,


