Aufsatz 
Einfluß des französischen Rittertums und des Amadis von Gallien auf die deutsche Kultur
Entstehung
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Wie dann zu solchem End, vnd damit doch selbiger zierlichkeit jedermenniglich ohn ergernuß zu gebrauchen vi in allerhand fürfallenden sachen vnd geschäffté, dieselbige nemlich ordenlich vnd zier- lich vorzubringé, gewisse Formen vnd Muster habé mög, einer auß den Amadischen Prantzösischen außigangen vier vnd zwentzig Büchern, alle Orationes, Sendschreiben, Vorträg, Widerantworten, ver- mahnungen, vnnd dergleichen Textus gezogen, vnd zusamé Trucken lassen: denselben extract einé Thresor vnd schatz der Amadisché Büchern benamset.

Wiewol nun ich gern zugieb, daßs die Frantzösisch sprach ebé in diesen Büchern Hoch excoliert, berfür gebutzt, vnnd zu guter volkomméheit möge gebracht sein: Jedoch will ich auch nicht zweifeln, sondern bey nahe meim ringen verstand nach bey mir gewiß darfür halten: daß die jenigen, so eben vielgedachten Amadis auß Franckreich in die Teutsche sprach vbergesetzt, nit weniger, sondern ja gleich so wol, wo nicht höher, jhre Muttersprach, als jene die jhrige, geziert, vnd an tag gebracht: daß die auch nicht leichtlich zu verbessern sein kan. Vnd eben dasselb mit solcher Zierlichkeit, Wolredéheit, wolgesetzten lieblichen anmütigé Phrasibus, dz sich Teutschland eben dessen inn seiner, als die Frantzosen inn jhrer Sprach zu berühmen.

Dernhalben, als ich gesehen daß Teutscher Sprach Liebhabende, derselben Ehrer vnd Fautores gleichmässige Nutzbarkeit befunden vnd gerühmet: ja der sonst schwache Werckzeug, das Weiblich Ge- schlecht, der Amadisischen Teutsché, liebliché Zierlichkeit v5 zierlicher Lieblichkeit nit ohn sondern Lust vñũ Frucht sich zu lehrné vnderfangen vnd gebraucht.

So hab ich inn gleichmässigé deß Frantzösisché Collectoris Intent vnd Meynung auch vor die Hand genommen: damit(doch zugleich etlichsé Heckschewen Leuten willfahrende) diejenige, so ebé so gern als andere, welche dieselbé Bücher inn jhré gantzen Innhalt durch lesen theten, auch Amadisische Redner, Cantzleische Conceptensteller, zusein, oder sonsté Orianischer freundlicher zuschreibé vnd ge- sprächs zu gebrauchen begerten, zu dem grad Teutscher lieblichkeit, zierlichen wolgesetzten Reden, da alles an sein bequemé ort, wie das Zinnwerck, in den Haußehren gestelt, gesetzt vnd geschlacht- ordnet sein solle, auch gleich den Cantzleyschreibern,

Denselben reinen Stubenreibern, Dir alle ding so artlich seubern,

alles zu seubern, zu zieren, zu ordinieren, in zug vnnd schlachtordnung zu bringen, angewiesen, geleitet, geführt, vi zur volkomméheit gebracht werden möchten: ebé derselbé Frantzösischen Orationé, etc. ver- dolmetschung zusammen in Truck kommé vnd außgehé lassen. Guter vnzweifeliger Hoffnung, es werde diese angewendte Arbeit allen solcher ordenlicher zierd vn zierlicher Ordnung verwunderé, girigen nach- folgeten zu gutem erschiessen, vnd also ein allgemeine Nut⸗-barkeit werden vnd sein.

Demnach aber nun E. E. beider Sprachen, beides auß geborner neigung, als auch derselben fleissiger, rühmlicher vbung erfahrenheit, wol kundig v gründlichen bericht. So hab derselben Ich, damit diß Tractätlin auch sein Schirmherr hette, vnd E. E. ein gleichwol ringfügige anzeig, meiner dero tragendé dienst geflissenen zuneigung were, nicht vnterlassen können, derselbé diß Teutsch bekleide Frätzösisch Formular aller Amadisischen Orationé, Heldenmutigen Degferen Ermahnugé, Königlicher wichtiger Vorgefallenheit Vorträg, freundtlichen, ernstlichen, kläglichen vnnd andern dergleichen Send- schrifften, vnd anderm, etc. zu dedicieren vnd zuzuschreiben. Dienstfleissig bittende, solches inn keim Vnguten, sonderlich weil das E. E. viel zu gering, auch vielleicht nicht deren genemer Wichtigkeit sein möcht, auff vnnd anzunemmen, in dem mein willfarig diensthafft Gemüth mehr, dann die Gab oder seine Ringfügigkeit, E. E. besonderm vortreflichen Verstand vnd beywohnender Freundlichkeit nach zu ermessen. Dieselbig E. E. hiemit, neben Anerbietung williger vnnd geflissener Dienst, dem Allmechtigen zu schirm befehlende. Datum Straßburg, den 7. Julii, Anno 1596. E. E. Dienstwilliger, Lazarus Zetzner Buchhandler vnd Burger daselbst.

Die Abhandlung muß hier abgebrochen werden, weil die vorgeschriebene Zahl von sechs Bogen nicht überschritten werden darf. Es sollte noch der Abdruck eines kleinen, sehr selten gewordenen französischen Werkes aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, welches eine wichtige Quelle für die Kulturgeschichte ist, nebst dem dazu gehörigen Kommentar sich hier anschließen. Der Verfasser behält sich die Veröffentlichung seiner vollständigen Abhandlung anderwärts vor.