Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
Einzelbild herunterladen

I. Leben des Erasmus Neustetter.

Erasmus Neustetter, mit dem Beinamen Stürmer ¹), wurde am 7. November 1523 zu Schönfeld im Bambergischen geboren und im Hause seines Verwandten, des Würzburger Dom- herrn Daniel Stibar erzogen. Frühzeitig schon mit der lateinischen und griechischen Litteratur vertraut, bereiste er die Niederlande, Frankreich und Italien und erlernte mit Eifer die Sprachen dieser Länder. In sein Vaterland zurückgekehrt, wurde er 1538 Chorherr des Ritterstiftes St. Burkard nach der Resignation Daniel Stibars, und bald darauf auch Custos desselben Stiftes. Auf diese Präbende mufste er statutenmäfsig verzichten, als er den 10. April 1545 den Eid als Domicellar des Würzburger Domstiftes leistete; 1552 wurde er Capitular desselben Stiftes, im Februar 1561 Domherr zu Bamberg und Dechant des Ritterstiftes Komburg; 1564 ward er zum Domdechanten zu Würzburg, 1569 zum Propst in Haug erwählt. Seit 1559 versah er das Amt eines Landrichters in Franken und wurde von den Bischöfen von Würzburg, Melchior Zobel von Guttenberg und Friedrich von Wirsberg, als Gesandter, von ersterem namentlich in den Grumbach'schen Händeln verwendet. Im Jahre 1579 verzichtete Neustetter, durch das Vor- dringen des ehrgeizigen Julius Echter von Mespelbronn unangenehm berührt, auf das Decanat, und an seiner Stelle wurde Julius Domdechant. Neustetter zog sich hierauf ganz von dem öffentlichen Leben nach Komburg zurück, um sich seinen Studien zu widmen, und kam nur öfters nach Würzburg, wo er seiven Hof in der Curia Alt-Lobdenburg, dem jetzigen Bairischen Hofe, hatte, und nach Bamberg, um seiner Residenzpflicht zu genügen, von welcher er in Bamberg 1589 als Jubilar entbunden wurde. Das Schlols Komburg hatte er zum Teil wiederherstellen, zum Teil ganz neu aufbauen lassen ²). Dort gründete er eine kleine

¹) Ein Neustetter erhielt, so lautet die Sage, wegen seiner bei der am 26. Januar 1160 gelungenen Erstür- mung der Stadt Crema(am Serio) bewiesenen Tapferkeit vom Kaiser Friedrich Barbarossa den BeinamenStürmer, welcher seitdem der Familie verblieb.

²) Vergl. die Elegie des Joh. Posthius: Ad Erafmum Neuftetterum Sturmerum, de obitu Alberti Baronis Lymburgici, etc. Dum te felicem Comburgi degere vitam Vicinus gelido Coccius amne videt: Ornatumque nouum templis adhibere, domosque Moeniaque et turres condere magnificas: Et curare fimul quicquid fapiente bonoque Dignum eft ac tali qualis es ipfe, viro: Nos videt hic cafu triftari Moenus acerbo, Conqueri et adverſi fata finiſtra poli, etc. (Delitiae Poetarum Germanorum, Pars V., Pag. 142).