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Den Charakter des Sagenhaſten, der in vorstehender Erzählung nicht zu verkennen ist, trägt offenbar auch der Bericht, welchen Widukind über die Belagerung der Veste Grona gibt. Konrad, erzählt er D, schickte an Heinrich Gesandte und versprach ihm, wenn er sich ihm freiwillig ergebe, so wolle er ihn nicht als Feind, sondern als Freund behandeln. Während nun Heinrich mit den Gesandten unterhandelte und schon geneigt war, auf die Anträge seines Gegners einzugehen, trat ganz unerwartet Thiadmar herein, Graf an der Ostmark, ein ausgezeichneter Feldherr und Kriegsheld, dem auch an Klugheit und List wenige Sterbliche gleichkamen ²), und fragte den Herzog, wo die Hilfsvölker sich lagern sollten, die er eben zum Ersatze heranführe. Auf die Frage Heinrich's, wie stark dieselben seien, antwortete der schlaue Thiadmar, der nur mit fünf Begleitern gekommen war:„Es sind dreissig Legionen!“ Da fasste der Herzog neuen Muth, die Gesandten des Königes aber kehrten bestürzt zu den Ihrigen zurück, die noch vor Tagesanbruch alle das Lager verliessen und die Belagerung aufhoben.
Wenn wir das Sagenhafte von dieser Erzählung des sächsischen Geschichtschreibers abstreifen, so pleibt nur als historischer Kern übrig, dass die Feste Grona ³) von dem Könige Konrad, aller Anstrengun- gen ungeachtet, nicht erobert worden ist. Vermuthen lässt sich nur aus den Angaben anderer Schrift- steller jener Zeit, dass Konrad durch eine Unternehmung des westfränkischen Königs Karl nach dem Rheine hin oder über diesen Strom hinaus zum Rückzuge aus Sachsen bewogen worden sei, wie es denn fast als bestimmt angenommen werden kann, dass Heinrich, um Konrad's Kräſte zu theilen, sich mit Karl in eine Verbindung eingelassen hat*).
Als sie aber in's Lager gekommen waren, wurde Graf Adalbert sofort verhaftet, enthauptet und seine Güter eingezogen; Hatto aber behauptete, seinen Eid nicht gebrochen zu haben, da er ja den Grafen— zum Frühstück— unversehrt in seine Burg zurückgebracht habe. Diesen Vorfall berichtet Wid. I, 22(Pertz V, 427), hält ihn aber selbst für erdichtet(quod quia non probamus, nunquam adfirmamus, sed vulgi rumore magis fictum credimus). Ausführlicher erzählt dasselbe Liutprand Antap. II, 6(Pertz V, 289) und ausserdem erwähnt die Sache noch Otto Frising VI, 15.
1) Wid. I, 24(Pertz V, 428).
2) Wid. 1. c. vis disciplinae militaris peritissimus, varius consilioque magnus, et qui calliditate ingenita multos mortales superaret. 4
3) Ueber die Lage der Veste Grcna sind sehr verschiedene Meinungen geäussert worden. Ich glaube mich mit Wersebe(Gaue S. 12 und 13) und Waitz(Einl. z. d. Jahrb. u. s. w. S. 25) für das jetzige Dorf Grona bei Göttingen entscheiden zu müssen; denn hier war erwiesenermassen seit den ältesten Zeiten eine Pfalz der sächsischen Herzoge, was sich von allen übrigen hier in Betracht kommenden Orten nicht beweissen lässt, und überdiess passt jener Ort am meisten in den Zusammenhang der Geschichte, da er gerade auf der Gränze des alten Sachsens gegen Franken lag und es nicht wahrscheinlich ist, dass Heinrich, der ja kurz vorher über Eber- hard gesiegt und dann einen verheerenden Einfall in Franken gemacht hatte, sich tiefer ins Innere des Sachsen- landes vor Konrad sollte zurückgezogen haben. Für Grona bei Göttingen haben sich schon ältere Gelehrte z. B. Eccard comm. de Or. Pr. II, 838, der jüngere Meibom u. A. ausgesprochen. Schaten Ann. Paderb. p. 247, der ältere Meibom zum Wid. p. 676 und unter den Neueren Luden(VI, 604 Anm. 28) erklären sich für Grohnde an der Weser unweit Hameln; Leuckfelde Antidq. Halberstad. p. 121 n. q. für Gröningen an der Bode, Struve corp. hist. Germ. I, 252 n. 16 für Grunde an der Mulde; Wedekind endlich(Noten zu einigen Geschichtschreibern des deutschen Mittelalters II, S. 374§. 13) streitet für Gronau an der Leine.
4) Dies wird auch von Waitz(Einl. z. d. Jahrb. u. s. w. S. 27 ff.) wahrscheinlich gemacht.
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