Aufsatz 
Feier des 75jährigen Bestehens der Realschule und Einweihung des Neubaues der Oberrealschule in Mainz, 24. - 25. April 1906. Festbericht
Entstehung
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3 illkommen uns an dieſem Feſtes⸗ 2 tage,

Und Gott zum Gruß Euch allen erſt zuvor!

Ein Dankgebet aus unſer aller Munde Steig heute zu des Höchſten Thron empor. Was will das Werk der ſchwachen Menſchenhände,

Was unſer Wollen, unſer ganzes Tun, Wenn unsverſagt iſt unſres Gottes Segen, Des Augen nicht auf unſrer Arbeit ruhnd

Wenn er uns nicht auf Schritt und Tritt begleitet,

Um uns zu weiſen ſeines Willens Pfad;

Wenn er uns ſelbſt zum Werke nicht geleitet,

Die Hand nicht führet zu der rechten Tatd

Wir flehen Segen drum zum heut'gen Werke,

Der Früchte reift für ferne Zeiten fort;

Gott geb zur Arbeit allen Mut und Stärke,

Er ſei des neuen Hauſes einz'ger Hort!

ſind zuerſt des Baues mächt'ge Pfeiler

Auf ſichren Fels und nicht auf Sand gebaut;

So werden ſie die Stürme überdauern:

Dennfeſt nur bauet, wer auf Gott vertraut!

Dann

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Vor allem aber herzlich uns willkommen, Der alten Schule einſt'ge Föglingsſchar! Ob lenzesfriſch und tatenfrohen Mutes, Ob Winterflocke deckt das Silberhaar:

Um Euch und uns ſoll dieſe hehre Stunde

Von neuem ſchließen innig Freundſchafts⸗ band!

Heut reichen ſich am Lebensbaum die Blüte

Und reife Herbſtesfrucht die Bruderhand.

Doch jenen vielen, die zum ew'gen Frieden

Gegangen ſind ob müd der Wander⸗ ſchaft,

Ob ſie aus lenzeslichten Jugendträumen

Ein unerbittlich Schickſal hingerafft

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Wir weihen allen heut ein ſtumm Ge⸗ denken,

Indes ihr Bild dem Geiſt vorübereilt,

Und ſtreuen Roſen auf die ſtille Stätte,

Wo die Erinnrung traumverloren weilt.

Und nun Glückauf! du ernſte Arbeits⸗ ſtätte, Des Geiſtes Werkſtatt, dreimal laut Glück⸗ auf! Nur Friede, Freude, arbeitsreicher Segen Sei Leitſtern dir auf deiner Sukunft Lauf. Dein erſter Bauſtein heiße: Glaube, Der edle Duldung ſeine Schweſter nennt; Der, frei von Schein und Haß und von Verblendung, In jedem Menſchen Gottes Bild erkennt.

Wahrer

Dein zweiter Bauſtein heiße: Deutſche Treue

Zu Kaiſer, Fürſtenhaus und Vaterland!

Die in dem ſcharfen Ringen ernſter Seiten

Zu edlem Opfermute reicht die Hand.

Der dritte Stein zum feſten Fundamente

Sei: Ernſte Arbeit, zielbewußte Pflicht,

Bei Lernenden und allen, die da lehren;

Dann fehlt des Himmels reicher Segen nicht.

Die Eintracht aber ſei des Baues Mörtel,

Der was da lehrt und lernet eng um⸗ ſchließt;

Die Saat nur reifet für das ernſte Leben,

Die aus der Eintracht freud'gem Tun entſprießt.

Dann wird gewiß das Glück des Baues Krone,

Das reine Glück, befreit von Trug und Schein.

Gott ſchirm das Haus vor Stürmen und Gefahren,

Des Himmels Segen möge mit ihm ſein!