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„Dem Gr. Realgymnaſium und der Oberrealſchule zu Mainz. * 1831— 1906*
In dieſen Tagen, da ſich eine unſerer älteſten Schweſteranſtalten anſchickt, das Jubiläum ihres 75jährigen Beſtehens zu feiern, wollen auch wir nicht verſäumen, ihr unſere herzlichſten Glückwünſche zu ihrem Ehrenfeſte zu entbieten. Möge aus dem Rückblick auf die geſegnete abgelaufene Tätigkeit die gewiſſe Zuverſicht erwachſen, daß auch die nun⸗ mehr getrennten Schulen mit dem gleichen Erfolge der Erziehung der Mainzer Jugend dienen werden!
Gießen, am 21. April 1906.
Das Lehrerkollegium des Realgymnaſiums und der Oberrealſchule.“
Dieſe Glückwünſche alle an dem genannten Abend mit ſeinen ohne⸗ hin nur wenigen koſtbaren Stunden des Wiederſehens bekannt zu geben, wie es von uns gewünſcht und anfangs geplant war, konnte leider nicht durchgeführt werden. Herr See mußte ſich auf den Ausdruck des wärmſten Dankes gegenüber den vielen der Schule an ihrem Jubiläums⸗ feſte erwieſenen Aufmerkſamkeiten beſchränken, indem er zum Schluß die Feſt⸗ verſammlung von einer ebenfalls zur Jubelfeier eingelaufenen Karlchen Misnick⸗Depeſche in folgenden Worten benachrichtigte:
All den freundlichen Depeſchen, Ich, das Karlchen! das doch alle Die uns heute zugegangen, Profeſſoren ſchlau durchſchaute, Eine noch hinzuzufügen, Ob zum Karzer ich verdammt war, Trag ich herzliches Verlangen. Oder ob man mich verhaute! Stammt ſie doch von unſrem Freunde, Ob ich hatte abzuſchmieren
Den wir tragen all im Herzen; Strafesſeiten, ungezählte,
Der gedoppelt unſre Freuden Oder ob mit Memorieren
Und geteilet unſre Schmerzen. Man mich halb zu Tode quälte. Wer kennt nicht das Karlchen Misnick, Was wir heut zu lernen haben, Jenen ſtreich⸗ und witzbereiten, Geiſtesnahrung kalt und trocken,
Der als ewiger Quartaner
Poſſen heckt ſeit Olims Zeiten! Wer hat nicht ins Herz geſchloſſen Dieſen ſchlitzgeöhrten Jungen,
Der dem kälteſten Magiſter
Noch ein Lächeln abgerungen.
Nur ein Lächeln, ſelbſtverſtändlich, Lachen wäre nicht manierlich,
Wär für einen hochgelahrten Herren doch zu deſpektierlich! Karlchen ſchreibt ſo kurz wie bindig, Denn er haßt das viele Schreiben: Bücherweisheit bleibt doch windig, Sonſt dürft ich nicht ſitzen bleiben!
Kann ich einmal nicht verdauen; Drum heißts immer:„Karl bleibt hocken!“ All ihr lieben Leidsgefährten, Nur die Köpfe nicht verlieren! Mancher, den ſie hocken ließen, Tat mit Glanz noch proſperieren. Unſre Zeit will Spezialiſten, Recht ſo! bin ich etwa keiner? Wer iſt noch im deutſchen Reiche Spezialiſt wie unſereiner? Darum bin ich ſtolz und ſtölzer, Heute darf ichs euch wohl ſagen: Unter euch hat doch kein einz'ger Meinen Sitzrekord geſchlagen!


