Aufsatz 
Feier des 75jährigen Bestehens der Realschule und Einweihung des Neubaues der Oberrealschule in Mainz, 24. - 25. April 1906. Festbericht
Entstehung
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Nun kam einer derdankbaren böſen Buben, Herr Ferdinand

Roſendorn, etwa wie folgt, zum Wort: Hochverehrte Feſtverſammlung!

Sie werden ſich jedenfalls gerade ſo wundern, wie ich mich ſelbſt, daß Sie mich jetzt an dieſer Stelle ſehen, und ich hätte jedenfalls ge⸗ wünſcht, daß ein anderer, Berufenerer, aus den Reihen der ehemaligen Schüler das Wort ergriffen hätte. Allein, als ich an meiner Tafel, die lieben, alten Mitſchüler neben und vor mir, den Erinnerungen nachhing an unſere goldene Jugendzeit die Schulzeit und mir heitere und ernſte Gedanken durch den Schädel gingen, kam auch juſt der, wie man mitunter in der Schule, wenn man ſo gerade an gar nichts dachte, von dem Herrn Lehrer aufgerufen wurde und natürlich nichts wußte. Im gleichen Augenblicke hörte ich die Stimme des geſtrengen Herrn See vor mir ſagen:Sie müſſen unbedingt heute Abend einige humoriſtiſche Worte an die Feſtverſammlung richten! Und wie damals in der Schul⸗ zeit mir oft der Gedanke half, Frechheit ſtehe mir bei, ſo machte ich es auch jetzt, und ohne langes Beſinnen ſtehe ich hier. Aber was nun ſagen? Soll ich Ihnen jene herrlichen Tage aus goldener, ſorgenloſer Jugend⸗ zeit preiſen, die uns friſch in die Zukunft blicken ließen, die uns das Herz mit heißem Streben füllten und eine ganze Welt voll Hoffnungen vor uns ausbreiteten? Soll ich erinnern an die Tage tollen Übermutes, denen der Ernſt des Lebens noch verſchloſſen lag, in denen wir uns aber ſchon ſo furchtbar klug vorkamen! Ich erinnere mich da eines Scherzes: Wir hatten wieder einmal etwas ausgeheckt; nach ſtrengſter Unterſuchung war aber natürlich nichts herausgekommen und als wir nach Hauſe gingen, ſagte ich auf dem Schulhofe zu meinen verblüfften Mitſchülern:Es iſt doch ein Glück, daß wirBuwe geſcheidter ſind als die Lehrer! Nun, heute denken wir ja anders, heute danken wir es der Schule, die uns ein ſo vorzüg⸗ liches Fundament gab für das zukünftige Leben. Aus den Herren Buben ſind Männer geworden, ernſte Männer im ernſten Kampfe des Lebens, und es ehrt ſie und die Schule, aus der ſie hervorgegangen, wenn ſie dieſem ernſten Kampfe wohlgewappnet gegenüberſtehen. Und ſo ſind wir heute freudig bewegten Herzens hierhergekommen, um dieſes herrliche Feſt mitzufeiern, und ein großer Teil der alten Kameraden hat auch die Frauen, die alten und die jungen Jahrgänge, zur Verherrlichung des Feſtesglanzes mitgebracht. Schade, daß ſie nicht wie wir nach Jahrgängen geordnet ſitzen! Und meine hochverehrten Mitſchüler aus alter und neuer Zeit! Wer ſind die beſten und treueſten Mithelferinnen der Schule? Die Mütter! Die Mutter, die zu Hauſe ihrem Jungen die Luſt an der Schule anerzieht, die ihn lehrt, den Lehrern Achtung und Gehorſam zu zollen und den Sinn für das Schöne und Gute wecken hilft. Unſerer