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hatte, ſchickte er insgeheim zu Sigeberts Sohne und ließ ihm ſagen:„Siehe! dein Vater iſt alt, ſchwach auf den Füßen und hinkend. Wenn er ſtürbe, ſo wäre dir ſein Reich und unſere Freundſchaft gewiß.“ So wurde Chloderich zur Herrſchſucht verlockt und ſann darüber nach, ſeinen Vater zu tödten. Da nun dieſer einſt Cöln verließ und über den Rhein ging, um im Buchoniſchen Walde umherzuſchweifen(cumque ille egressus de Colonia civitate, transacto Rheno per Buconiam silvam ambulare disponeret) und dort gerade um Mittag in ſeinem Zelte ſchlief, fielen gedungene Mörder über ihn her, durch welche ſein Sohn ihn tödten ließ, um ſich der Herrſchaft zu bemächtigen. Aber Gott iſt gerecht und er fügte es, daß der Sohn ſelbſt in die Grube fiel, welche er ſeinem Vater gegraben. Chloderich ſchickte nämlich Boten zu Chlo⸗ dovech und ließ dieſem den Tod ſeines Vaters mit den Worten melden:„Mein Vater iſt todt und ſein Reich und ſeine Schätze ſind in meinen Händen. Sende einige von Deinen Leuten zu mir und gern will ich Dir ſchicken, was Dir von meines Vaters Schätzen gefällt.“ Chlodovech aber erwiederte:„Dank Dir für Deinen guten Willen! Wenn unſere Leute zu Dir kommen, ſo zeige ihnen nur Alles; Du magſt es dann immer für Dich behalten.“ Da nun Chlodovech's Leute kamen, ſo öffnete ihnen Chloderich den Schatz ſeines Vaters und als ſie ſich Dieſes und Jenes betrachteten, ſagte er:„In dieſen Kaſten pflegte mein Vater ſeine Gold⸗ ſtücke zu legen.“„Stecke doch,“ erwiederten hierauf die Geſandten,„einmal Deine Hand hinein bis auf den Boden, damit Du uns Alles zeigeſt.“ Und als nun Chloderich ſich tief herabbeugte, da erhob einer der Geſandten den Arm und ſpaltete ihm mit der Axt den Hirnſchädel. So traf den Ruchloſen dasſelbe Loos, was er ſeinem Vater bereitet hatte.
Als nun dem Chlodovech gemeldet wurde, daß Chloderich wie ſein Vater Sigibert getödtet ſei, ſo begab er ſich nach Cöln und berief alles Volk.„Vernehmet,“ ſprach er zu demſelben,„was ſich begeben. Während ich die Schelde entlang fuhr, trachtete Chloderich, der Sohn meines Vetters, nach dem Reiche ſeines Vaters und brachte ihm den Glauben bei, als wolle ich ihn tödten. Als dieſer deshalb durch den Buchoniſchen Wald floh, ſandte der Sohn ſeinem Vater Mörder nach und ließ ihn ermorden. Darauf iſt er ſelbſt, während er ſeines Vaters Schätze aufſchloß, von einem mir unbekannten Manne ebenfalls ermordet worden. An dieſem Allen bin ich ganz ohne Schuld, denn es wäre ja ſchändlich von mir, das Blut meiner Vettern zu vergießen. Da es nun aber einmal geſchehen iſt und ſich nicht ändern läßt, ſo gebe ich euch den Rath, euch zu mir zu wenden, wenn es euch gefällt, damit ihr ſicher lebet unter meinem Schutze.“ Da erhob das Volk ein Freudengeſchrei, ſchlug an die Schilde, hob den Chlodovech auf den Schild und ſetzte ihn über ſich zum Könige. So empfing er Sigibert's Reich und ſeine Schätze und es kamen deſſen Leute unter ſeine Herrſchaft.“ 1 1.
Da die Stelle die Variante Boronia hat, ſo wurde ſie ſchon von Tritheim und nach ihm von Bouquet auf eine silva buronia auf dem rechten Rheinufer in der Nähe von Cöln gedeutet, doch hat man einen Wald dieſes Namens nicht nachweiſen können. Die von Dr. Bethmann für die Monumenta bearbeitete Ausgabe von Gregor's Fränkiſcher Geſchichte liegt ſchon ſeit 1848 druckfertig, iſt aber noch nicht erſchienen. Dr. Beth⸗ mann hat jedoch ſeine Vorarbeiten zum Gregor dem verdienſtvollen Ueberſetzer desſelben, Gieſebrecht, mitge⸗ theilt und aus dieſer Ueberſetzung S. 104 wiſſen wir, daß die Monum. die Lesart silva Buconia bringen werden und wir werden daher wol von jener Variante abſehen können. Rudhardt(Aelteſte Geſch. Bayerns, S. 377), welcher den Buchoniſchen Wald des Mittelalters von den Gegenden der fränkiſchen Saale bis zur Quelle der Lahn ausdehnt, nimmt denſelben als Schauplatz der erwähnten Blutthat an, indem er bemerkt: „In welchem Theile der ausgedehnten Buchonia dieſe Gräuelthat vollbracht worden ſei, läßt ſich nicht näher beſtimmen, da die Jagdluſt oder auch andere Beweggründe den Vater bis in das Innerſte des ungeheuern


