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Da unter den von Cäſar erwähnten Sueven offenbar die Chatten zu verſtehen ſind, welche auch Tacitus (Germ. cap. 36) nebſt den Chaucen als Nachbarn der Cherusker bezeichnet und da die Cherusker auf beiden Seiten der mittleren Weſer wohnten(die Wohnſitze der Cherusker laſſen ſich aus den Erwähnungen derſelben bei Tacitus, namentlich aber aus Dio Caſſius(LIV, 33) genauer beſtimmen als die der meiſten andern deutſchen Völker); ſo kann die bei Cäſar erwähnte silva Bacenis, welche wie eine natürliche Mauer die Sueven(Chatten) von den Cheruskern trennen ſoll, unmöglich die silva Buchonia des Mittelalters ſein. Die an der betreffenden Stelle bei Cäſar der silva Bacenis gegebenen Eigenſchaften paſſen auf keinen andern Wald als auf den Harzwald, welcher damals zwiſchen den Cheruskern und Chatten die Gränzſcheide bildete wie im Mittelalter zwiſchen den Sachſen und Thüringern, und nur dieſer kann daher unter jenem Walde verſtanden werden. Der Angabe, daß dieſer Wald wie eine natürliche Landwehr auf der Gränze der beiden Völker vorgezogen ſei, entſpricht kein anderes Gebirge in den Gegenden Deutſchlands, welche hier in Betracht kommen können als der Harz, und wenn Cäſar ſagt:„silvam esse ibi inſinita magnitudine“ und „hanc longe introrsus(nämlich in der Richtung von Weſten nach Oſten) pertinere“, ſo ſteht mit dieſen An⸗ gaben die wirkliche Ausdehnung des Harzwaldes, welche ſechzehn Meilen in der Länge beträgt, nicht gerade im Widerſpruche, da dergleichen Angaben über die Größe eines Waldes in der Regel etwas Hyperboliſches an ſich tragen.
Von beſonderer Wichtigkeit bei der Entſcheidung der alten Streitfrage iſt übrigens die Beantwortung der Frage, ob das Wort Bacenis in ſeiner Bedeutung mit Buchonia übereinſtimmt und beide Wörter von gleichem Stamme ſind? Dieſe Frage haben die Brüder Grimm in ihrem deutſchen Wörterbuche(S. 471 s. v. Buchen) aufs beſtimmteſte bejaht, indem ſie bemerken:„In silva Bacenis ſetzte Cäſar das deutſche K, behielt aber das lateiniſche A von fagus.“ Wenn in der That silva Bacenis„Buchwald“ bedeutet und die Beſchaffenheit des Harzwaldes die Annahme nicht geſtattet, daß derſelbe„Buchenwald“ genannt worden ſei (gegenwärtig wenigſtens findet ſich auf den Höhen des Harzes durchweg nur Nadelholz und nur die Harzränder haben aus den gewöhnlichen Laubholzarten gemiſchte Beſtände, unter welchen die Buche nicht einmal vorherrſcht); ſo bleibt nur die Annahme übrig, daß die ÜUbiſchen Kundſchafter ſich in dem Namen des Waldes, von welchem ſie dem Cäſar berichteten, geirrt und das, was ſich nur auf den Harzwald bezog und beziehen konnte, auf einen anderen berühmten Wald, deſſen Namen ihnen geläufiger ſein mochte, übertragen hätten. Uebrigens wird man auf die ganze Angabe bei Cäſar, in welcher der silva Bacenis gedacht wird, kein zu großes Gewicht legen und insbeſondere nicht vergeſſen dürfen, daß die Stelle nicht in den Nachrichten vorkommt, welche Cäſar auf den Grund ſeiner eigenen Nachforſchungen und Beobachtungen über Deutſchland und ſeine Bewohner gegeben hat(VI, 21—29), ſondern lediglich der Bericht der Ubi exploratores iſt, welchem vielleicht auch ſchon aus dem Grunde als hiſtoriſche Notiz kein beſonderer Werth beizulegen ſein dürfte, weil es wol nicht wahrſcheinlich iſt, daß die Sueven ſich bis an die äußerſten Gränzen ihres Gebietes zurückge⸗ zogen und ihr ganzes Land dem Cäſar preisgegeben haben ſollten. Wie dem aber auch ſei, ſo kann unter der silva Bacenis ſchon aus dem einzigen Grunde, weil dieſelbe auch die äußerſten Gräͤnzen der Che⸗ rusker berühren ſoll, der im Mittelalter ſpeciell als silva Buchonia bezeichnete Wald nicht verſtanden werden.
Die zweite Erwähnung der silva Buchonia hat man in der bekannten Stelle Gregor's von Tours (II, 40, bei Bouquet II, 184) finden wollen, in welcher die im J. 509 erfolgte Ermordung des ripuariſchen Königs Sigebert von Cöln durch ſeinen Sohn Chloderich, welcher zu dieſer Blutthat durch den Frankenkönig Chlodowig aufgereizt worden war, berichtet wird.„Als Chlodovech“, erzählt Gregor, feinen Sitz zu Paris


