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Verbindung zwischen den vier mächtigsten dentschen Volksstämmen, den Franken, Schwaben oder Alemannen, Baiern und Sachsen herbeizuführen; er schirmte mit starker Hand die nördlichen deut- schen Länder gegen die Verwüstungen der räuberischen Normannen, sowie des Reiches Ostgränze, in vielen hartnäckigen und meist siegreichen Rümpfen, gegen die feindlichen Slawen, und mehr als einmal mussten Obotriten, Sorben, Böhmen, Mähren und Bulgaren die Schärfe des deut- schen Schwertes empſinden. Dass Ludwig auch die geistigen Interessen des deutschen Volkes pflegte und förderte, soweit es die vielfachen Mühen eines unruhigen, bewegten Lebens ihm gestat- teten, lässt sich bei einer Bildung, wie er sie besafs und bei der vaterländischen Gesinnung, welche ihn beseelte, nicht bezweifeln und als Oifried von Weiſsenburg, des Hrabanus Maurus würdiger Schüler, in seinem Rrist das erste christliche leldengedicht schuf, widmete er das Werk seiner frommen Begeisterung, in welchem uns der erste Versuch eines deutschen Runstepos und zugleich das älteste deutsche Reimgedicht erhalten ist, dem von ihm hochverehrten*) Ludwig dem Deutschen, ein Beweis, dass er bei diesem Rönige auf Anerkennung seiner Destrebungen für vaterländische Poesie mit Sicherheit rechnen durfte.—
Auf der Regierung Ludwig's des Deutschen ruht der letzte Schimmer karolingischer Gröſse und Herrlichkeit; es folgte auf sie eine Zeit heilloser Verwirrungen und Stürme unter den letzten KRaro- lingen, welche Vieles von dem, was Ludwig zu erhalten sich bemüht hatte, namentlich die Ueberreste der von dem grofsen Rarl geschaffenen Cultur fast völlig wieder vernichtete; aber Alles konnte nicht untergehen und es blieb gerettet und gesichert auf immerdar die deutsche Nationalität, seitdem sie ein- mal durch den Vertrag von Verdun zur Anerkennung gelangt war. Darum erkennen die Enkel nach tausend Jahren die hohe Bedeutsamkeit dieses Vertrages und ehren dankbar das Andenken des wür- digen Mannes, der seinem Volke diesen Sieg errungen, der dentsches Wesen und deutsche Art stets mit treuer Liebe geehrt und gefördert, der sein ganzes Leben der Beschützung deutseher Volksthüm- lichkeit gewidmet hat.²2) Traurige Zeiten sind es, welche jenem Ereignisse vorangingen und es wurden auch zunächst noch keine glücklicheren Zeiten für das dentsche Volk durch dasselbe her- vorgerufen; aber es liegt ja in dem Gange der allwaltenden Vorsehung, dass sie erst durch Mühen und Rämpfe, durch Leiden und Trübsal die Völker zu dem Meile besserer Tage hindurchführt.
1) Er vergleicht in der Vorrede Ludwig d. D. mit dem Könige David.— Dem Könige Ludwig d. D. ver- danken wir vielleicht auch die Erhaltung des hochdeutschen Bruchstückes Muspilli; wenigstens hat Schmeller in seiner Ausgabe desselben S. 6 diese Vermuthung ausgesprochen.— 4 2) Noch mag das schöne Urtheil Regino's(a. 876 Pertz I, 588) über Ludwig dem Deutschen hier eine Stelle finden: Anno dominicae incarnationis 876 Hludowicus rex apud Franconofurt palatium diem clausit extremum 5 Kalendas Septembris, sepultusque est in monasterio sancti Nazarii quod Lorasham nuncupatur. Fuit autem iste princeps christianissimus, fide catholicus, non solum secularibus, verum etiam ec- clesiasticis disciplinis sufficienter instructus; quae religionis sunt, quae pacis, quae ius- titiae, ardentissimus executor. Ingenio callidissimus, consilio providentissimus, in dandis sive subtrahendis publicis dignitatibus discretionis moderamine temperatus; in proeliis victoriosissimus, armorum quam conviviorumapparatibus studiosior, cui maximae opes erant instrumenta bellica, plus diligens ferri rigorem quam auri fulgorem. Apud duem nemo inutilis valuit, in cuius oculis perraro utilis displicuit, quem nemo muneribus corrumpere potuit, apud duem nullus per pecuniam ecclesiasticam sive mundanam digni- tatem obtinuit, sed magis ecclesiasticam probis moribus et sancta conversatione, mun- danam devoto servitio et sincera fidelitate.
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