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Brüdern(Philipp, Gustav und Ferdinand) in Raab Rendez- vous zu geben und so nach Kaschau zu reisen, da wir seit gestern Frieden haben. Leben sie stets gesund, Gnädigster Vater, und in dem bevorstehenden neuen Jahre gebe Ihnen der Allmächtige alles nur zu wünschende Glück! Schliess- lich empfehle ich mich unterthänigst zu Gnaden Friedrich.“
Am 26. Dezember hatte Napoleon zu Pressburg Frieden mit Oesterreich geschlossen und dieses gezwungen, das treue Tirol an Bayern, andere Gebiete an das Königreich Italien, an Würtemberg und Baden abzutreten. Schon vorher, am 15. Dezember, hatte sich Haugwitz zu dem Schönbrunner Vertrage herbeigelassen, in welchem Preussen gegen Ab- tretung von Kleve, Ansbach und Neufchatel an Frankreich Hannover aus Napoleons Hand entgegennahm.
Das Jahr 1806.
Bei oberflächlicher Betrachtung hatte der Anfang des Jahres 1806 einen friedlichen Anschein. Aber das Verhalten Napoleons, der seine Truppen in Süddeutschland stehen liess, und der mit gewohnter Hinterlist die Engländer ermunterte, das eben erst Preussen überwiesene Hannover wieder in Besitz zu nehmen, liess tiefer Blickende neue Kriegsstürme befürchten. Diese halb friedliche, halb kriegerische Stimmung kommt auch in einem Briefe Mariannens aus Berlin vom 26. Januar 5(verschrieben für 1806) zum Ausdruck. Er lautet:
„Eben, lieber Leo, habe ich mit vieler Mühe meine Amalla in den Schlaf gebracht. Die Wiege steht neben mir, und sie schläft wie ein kleiner Engel. O, dass Du sie so sehen könntest, wie grosse Freude würdest Du darüber haben, teurer Bruder! Die Kinderfrau habe ich in die Kirche geschickt und den andern, die bei ihr sind, mag ich sie nicht gern anvertrauen. Also habe ich die Kleine in solchen Ge- legenheiten immer bei mir. Ich denke und hoffe, sie soll auch dieses mir einst danken, und wie süss wird das sein!
Die Gesinnungen, welche Du in deinem Briefe äusserst, die so ganz mit den meinen übereinstimmen, machen mich


