Aufsatz 
Ungedruckte Briefe des Prinzen Leopold von Hessen-Homburg und seiner Geschwister : 1804-1813 / von E. Schulze
Entstehung
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erfahren, dass Du Dich den vergangenen Winter so gut dort unterhalten habest, und wenn auch nicht, so ist es immer unerträglich von einem Ort weg zu kommen, wo man so lange eingerichtet war und seine Bequemlichkeiten genoss; und nun noch gar um so einer Ursach' willen ihn verlassen obgleich noch ungewiss, so beunruhigt und ängstet sie mich schon genug. Ich weiss wohl, dass Dir sie noch die angenehmste ist.

Hier ist's auch so, die ewige Ungewissheit, und wie wird das alles noch enden? Merfeld*) ist in Berlin an- gekommen; ich freue mich ihn zu sehen(wenn ich dazu kommen kann), denn mir deucht, Du hast unter ihm ge- standen einige Zeit? Ueberhaupt macht es mich immer sehr glücklich, Deinen Rock, wenn auch an andern, zu sehen.

Der Winter war äausserst traurig, vielleicht hat Dir Philipp gesagt, wie sehr mich der Tod der Königin**) ge- schmerzt hat? Davor bin ich den 4. Juli recht beglückt worden; tausend Dank, lieber Bruder, für Deine Segens- wünsche über meine liebe, kleine Amalie. Ich stille sie selbst und es schlägt ihr sehr gut an. Wenn es nur nichts mit dem leidigen Kriege gäbe, so zeigte ich Dir vielleicht die Kleine künftigen Sommer, wo ich gewiss nach Homburg reisen werde. O wie gross würde meine Freude sein, Dich dort zu treffen!...

Gott verhüte den Krieg, dass wir nicht wieder in der fürchterlichen Angst um Euch leben müssen! Und der All- mächtige führe mich bald in Deine Arme. Lebe wohl, Du mir so grenzenlos geliebter Bruder, behalte in Deinem Herzen

Marianne.

*) Graf von Merfeldt(Meerfeld), 1764 in Westfalen geboren, diente als Husarenrittmeister im Türkenkriege 1788-90. Als Komman- dant des Chevauxlegers-Regiments im Heere Erzherzog Karls zeichnete er sich 1796 aus, war als Congressgesandter in Rastatt und wurde 1805 Generalquartiermeister der österreichischen Reservearmee.

**) Friederike Luise, Gemahlin Friedrich Wilhelms II., war am 15. Februar 1805 gestorben. In ihr betrauerte die Prinzessin die geliebte Mutter ihres Gemahls und ihre eigne, herzlich verehrte Tante.