Auf dem Schlosse zu Homburg entspross aus der Ehe. die Friedrich V. im Jahre 1768 mit der Prinzessin Karoline von Hessen-Darmstadt geschlossen hatte, eine reiche Nach- kommenschaft. Sechs Söhne und fünf Töchter erwuchsen hier unter der liebevollen Leitung des hochgebildeten, charakter- festen und echt deutsch fühlenden Vaters und der ernsten, würdevollen, dem französischen Wesen zugeneigten Mutter. Doch führte der mutige Thatendrang die Söhne, die Neigung zu deutschen Fürsten mehrere der Töchter frühzeitig aus dem Schlosse ihrer Ahnen in die Ferne. Zuerst trat der Erb- prinz Friedrich Josef, geboren 1769, im Jahre 1789 in die österreichische Armee ein; ihm folgten im Jahre 1796 sein Bruder Philipp und im Jahre 1800 die Brüder Gus- tav und Ferdinand. Prinz Ludwig, geboren 1770, trat im Jahre 1790 in das preussische Heer ein. Von den Schwestern verheirateten sich Karoline und Luise in den Jahren 1791 und 1793 mit Rudolstädter Prinzen, Amalie 1792 mit dem Erbprinzen von Anhalt-Dessau. Nur Prin- zessim Auguste, später Gemahlin des Grossherzogs von Mecklenburg-Schwerin, blieb bis 1818 bei ihren Eltern.
So war es stiller geworden in dem Homburger Schlosse, als die beiden jüngsten Kinder des Landgrafen, Marianne, geboren am 13. Oktober 1785, und Leopold, geboren am 10. Februar 1787, heranwuchsen. Beide waren noch kleine Kinder, als ihr ältester Bruder 1789 als österreichischer Offizier mit in den Türkenkrieg zog; und als er am 11. Ok- tober 1790, wettergebräunt und gefeiert als Kämpfer vor Belgrad und als Held von Kalafat, zum Besuche in der Heimat eintraf, schauten sie mit Verwunderung auf zu dem stattlichen Manne, der ihnen für einen Bruder fast zu gross


