Aufsatz 
Ueber die Bedeutung der germanistischen Studien für die Gegenwart, insbesondere für das Gymnasium / von Schulz
Entstehung
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C. Aeſthetiſche Bildung.

Bezüglich dieſes Gegenſtandes genügt es, auf das im vorjährigen Programme Bemerkte einfach Bezug zu nehmen, da ſich die Verhältniſſe inzwiſchen nicht geändert haben.

D. Disciplin.

Es läßt ſich nicht in Abrede ſtellen, daß der überhand nehmende Geiſt der Genußſucht auch in unſere Schulen gedrungen iſt und zum großen Nachtheile der Schulzwecke unterhalten und genährt wird durch die Schwäche der Eltern ſelbſt, die nur zu geneigt ſind, ihre Söhne an Orte mitzunehmen, wohin nur Erwachſene gehören, oder ihnen zu bereitwillig und in zu großem Maße die Mittel gewähren, durch welche ſich junge Leute auf eigene Hand allerlei Ge⸗ nüſſe verſchaffen können. Die Schule allein vermag dieſen einmal in der Zeitrichtung liegenden Geiſt nicht zu beſeitigen; ſie wird ihn aber immer bekämpfen und ſo unſchädlich als möglich zu machen ſuchen. Dieſe Worte des vorjährigen Programms glaube ich den Eltern unſerer Zöglinge wiederholt ans Herz legen zu müſſen, da die meiſten im abgelaufenen Schuljahre vorgekommenen Disciplinarvergehen, von denen einige mit Carcerſtrafen geahndet wurden, aus Genußſucht hervorgegangen ſind. Die Schule ſucht durch Hausbeſuche, durch Aufſicht beim Turnen und Baden u. ſ. w. die Vergehen ihrer Zöglinge möglichſt zu verhüten; ſie bedarf aber immer gerade in der Erziehung der Mitwirkung der Eltern. Insbeſondere moͤchte es auch angemeſſen ſein, wenn die Eltern ſich wegen des ihren Söhnen zu verwilligenden Taſchengeldes mit dem Director oder dem Claſſenlehrer ins Einvernehmen ſetzen wollten.

E. Phyſiſches Wohl.

Der Geſundheitszuſtand war im abgelaufenen Schuljahre im Ganzen bei Lehrern und Schülern befriedigend. Schulverſäumniſſe wegen Unwohlſeins kamen gegen frühere Jahre auffallend wenige vor, trotzdem daß von den Schülern bei Erkrankungen eine ärztliche Beſcheinigung in der Regel nicht mehr verlangt wird. Sofortige Beſuche von Seiten eines Lehrers bei einem krank gemeldeten Schüler, deſſen Unwohlſein etwas verdächtig erſcheint, wirken ſehr wohlthätig.

II. Chronik des Gymnaſiums.

Das Schuljahr begann am 12. Mai v. J. mit der Prüfung neu angemeldeter Zoglinge (im Ganzen 21), welche ſämmtlich in die dem Reſultate der Prüfung entſprechenden Claſſen aufgenommen wurden: 8 in VII, 2 in VI, 2 in V, 6 in IV, 1 in III, 2 in II b(Unter⸗ ſecunda). Tags darauf fand zur Eröffnung des Semeſters die allgemeine Verſammlung in der Aula ſtatt, und Samſtag den 14. Mai nahm der Unterricht in allen Claſſen ſeinen Anfang.

Die Pfingſtferien dauerten vom 10. bis 21. Juni.

Am 24. Juli Vormittags feierte die Anſtalt das Geburtsfeſt Seiner Hoheit des Her⸗ zogs durch einen Redeact in der feſtlich geſchmückten Aula des Gymnaſiums. Die Feſtrede hielt der Profeſſor Francke und hob in derſelben ſowohl die Bedeutung des Tages überhaupt als insbeſondere die große Fürſorge des Landesherrn und Höchſtdeſſen Regierung für das Ge⸗ deihen des Naſſauiſchen Schulweſens gebührend hervor. Am Nachmittage betheiligten ſich Lehrer und Schüler an der für das hohe Feſt veranſtalteten öffentlichen Unterhaltung auf dem Weber' ſchen Berge. 3

An dem Kirchweihfeſte, das in dem vorigen Jahre auf den 17. und 18. Auguſt fiel, hatten die Gymnaſialſchüler, um ſich in herkömmlicher Weiſe betheiligen zu können, einen freien Nach⸗