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Wenn in dieſer angedeuteten Weiſe wieder deutſcher Geiſt durch alle Lebensgebiete waltet, dann wird auch eine wahrhaft deutſche Schule möglich ſein in ihren drei Stufen: der Volks⸗ ſchule, der hoͤheren Bürgerſchule und dem Gymnaſium. In der Volksſchule, in dem Sinne der Elementarſchule, deren Zweck, um mit einem bewährten Pädagogen zu reden, kein anderer ſein kann, als ein planmäßig geleitetes, durch kindliche Gemeinſchaft unterſtütztes und bedingtes Vor⸗ leben für das ſpätere thätige Leben in der Kirche und im Staate, muß das vaterländiſche Ele⸗ ment mehr als bisher gepflegt werden. Seitdem man auf der Volksſchule nicht mehr einen beſon⸗ deren grammatiſchen Unterricht als formale Logik zur Bildung des Denkvermögens betreibt, iſt nach der Bezeichnung unſeres naſſauiſchen Seminardirectors Kehrein, welcher faſt das ganze Gebiet der deutſchen Philologie der Jugend vermittelt hat, Sprachverſtändniß und Sprach⸗ fertigkeit als Zweck des Sprachunterrichts erkannt worden und dieſe wird zunächſt durch die lebendige Umgangsſprache, ſowie durch das Leſebuch, und nur unterſtützungsweiſe durch gram⸗ matiſchen Unterricht zu erlangen geſucht. In die Elementarſchule gehört kein grammatiſches Syſtem, ſondern nur Einzelnes aus der Grammatik, und zwar eines praktiſchen Zweckes wegen, um einige bei dem Leſen und dem ſchriftlichen Gedankenausdruck nothwendige Begriffe faßlich erklären und kurz bezeichnen zu können. Deſto wichtiger wird nun aber der Inhalt des Leſe⸗ buchs. Landes⸗ und Volkskunde, deutſche Geſchichte müſſen reicher und würdiger darin vertreten ſein, als dieß bis jetzt in ganz Deutſchland der Fall iſt. Auch hier iſt in vieler Beziehung ein Wort Göthes wahr, daß das Beſte eben für das Volk und die Jugend gut genug ſei. Das Mattherzige und die triviale Reflexion verſteht die Jugend nicht leichter als das Kernhafte und Lebensfriſche. In dieſem Sinne muß in das Leſebuch fuͤr die oberen Claſſen auch Einzelnes aus der deutſchen Heldenſage nach den Bearbeitungen von Schwab, Bäßler, Oſterwald, Simrock u. A. aufgenommen werden. Wenn das ganze Volk wieder an den lebensfriſcheſten Kunſtſchätzen der Nation Theil nimmt, wird ſich auch über andere Lebensfragen ein wohlthätiges Geſammt⸗ bewußtſein und Gemeingefühl entwickeln können. Schon in der Volksſchule muß von nun an auf ein gründliches, allſeitiges Turnen die größte Sorgfalt verwendet werden, damit einer indi⸗ viduellen kriegeriſchen Durchbildung, auf welche unſer ſtehendes Heer in immer ausgedehnterem Maße bedacht ſein muß, in gehöriger Weiſe vorgearbeitet wird. Die Stärkung und edlere Ent⸗ wicklung der Volksſchule wird alle uͤbrigen Lehranſtalten vor falſchen Richtungen bewahren helfen. Auch in den an die Volksſchule ſich anſchließenden Ackerbauſchnlen, landwirthſchaftlichen Anſtalten und deren Zeitſchriften muß neben der techniſchen Belehrung eine wahre Volkskunde eifrig gepflegt werden, damit die Vernachläſſigung der bürgerlichen und rein menſchlichen Ausbildung ſich nicht an der beruflichen Thätigkeit räche.
Die höhere Bürgerſchule, welche zu dem chriſtlichen und vaterländiſchen Unterricht und ihren beſonderen Berufsſtudien noch die Kenntniß des Lebens und der Sprache einiger neuerer Völker hinzufügt, bedarf, wenn ſie nicht nahe liegenden modernen Verirrungen verfallen ſoll, eines recht lebendigen und gediegenen Unterrichts in deutſcher Sprache, Kunſt, Geſchichte und Sitte. Um mit der helleniſchen und romaniſchen Formenſchönheit erfolgreich wetteifern zu können, muß die höhere Bürgerſchule nebſt ihren polytechniſchen Fortbildungsanſtalten die Quellen ureigner deutſcher Weltanſchauung in Kunſt, Natur und Volksleben aufzugraben und auszubeuten ſuchen, worüber Viſcher und Carrière in ihren Werken über Aeſthetik die rechten Anregungen zu geben begonnen haben. Eine gründliche äſthetiſche Bildung iſt überhaupt eine Lebensfrage unſeres Bürgerſtandes. Die induſtriellen Fortbildungsanſtalten werden außerdem, wenn ſie nach den Geſichtspunkten des neuen öſterreichiſchen Gewerbegeſetzes in innige Beziehung zu den betreffenden Gewerbsgenoſſenſchaften geſetzt werden, an Lebensfriſche und praktiſcher Tüchtigkeit
ewinnen.
4 Zur Kunde der Entwicklung des deutſchen Geiſtes in der Volksſchule, ſowie der Kenntniß des modernen europäiſchen Lebens, welche der höheren Bürgerſchule obliegt, kommt nun auf dem Gymnaſium noch die Einführung in das elaſſiſche Alterthum, und zwar als ein Hauptbedingungs⸗ mittel hinzu. Die Zöglinge des Gymnaſiums ſollen einſt Kirche und Staat fördern und leiten. Wer die Gegenwart lenken und erziehen will, dem muß ein feſtes Ziel in der Zukunft vor Augen ſtehen. Die Kenntniß dieſes Zieles und damit der Aufgaben der Gegenwart ent⸗ ſpringt nur aus einer lebendigen und umfaſſenden Kunde der Vergangenheit. Das Gymnaſium
muß alſo mit welthiſtoriſchem Blicke, für welchen Mager ſein inhaltvolles Leben geſtritten, die


