Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 1. Teil
Entstehung
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II.

Die Grabsteine der Erzbischöfe Siegfried III. und Peter von Aspelt¹) im Mainzer Dom.

Unter den erhaltenen Grabdenkmälern der Mainzer Erz- bischöfe vermitteln die beiden ältesten wertvolle Aufschlüsse zur Reichsgeschichte. Auf dem einen breitet Erzbischof Siegfried III.(1230 1249) die Arme über zwei Fürsten; diese werden durch die ursprünglichen Aufschriften als (Heinrich) Ras(pe) und Wilh(elm) von Holland gekennzeich- net. Der andere Grabstein ist Erzbischof Peter(1306 1320) gewidmet. In unbestreitbarer Nachahmung der erwähnten Darstellung nimmt Erzbischof Peter drei Fürsten gegenüber die gleiche Haltung ein. Zwei von ihnen tragen Zepter, Krone und Reichsapfel, sind mithin deutsche Könige, während bei der dritten der Reichsapfel fehlt. Bei Feststellung ihrer Persönlichkeiten kommen die Brustschilder in alter Bemalung zu statten. Der eine König mit dem Reichsapfel sowie jener ohne Reichsapfel zeigt auf der Brust den roten lützelburgi- schen Löwen; der zweite König mit dem Reichsapfel weist auf dem Brustschild die bayerischen Rauten auf. Es stellen demnach die Figuren von links nach rechts vom Beschauer gerechnet folgende Persönlichkeiten dar: König Johann von Böhmen, den Sohn König Heinrichs VII. von L.ützelburg, König Ludwig den Bayern und König Heinrich VII. selbst.

Die Erzbischöfe Siegfried III. und Peter breiten deshalb die Arme über die Bezeichneten, weil sie bei ihrer Krönung mitwirkten, bezw. diese vornahmen.

Daß Heinrich Raspe zum deutschen Xönige gekrönt wurde, erzählt keine Quelle. Der Grabstein Siegfrieds III. berichtet aber in nicht mißverständlicher Weise, daß dieser Erzbischof zum mindesten bei der Krönung Raspes mitwirkte. Deshalb ist sie auch ohne sonstige Belege als geschichtliche Tatsache hinzunehmen. Überdies läßt sich die Krönung Raspes sehr gut in dessen Regierung einfügen. Am 25. Juli 1246 nämlich, zwei Monate nach seiner Wahl, weilte Heinrich Raspe in Mainz, um sich von hier nach Frankfurt zu einem Hoftage zu begeben. An letzterem Ort oder, was wahrschein- lieher ist, in Mainz fand damals die Krönung des Thüringer Landgrafen statt.

Hinsichtlich der Krönung Wilhelms von Holland melden

¹1) Bearbeitet nach dem gleichnamigen Aufsatze in der Zeitschr. d. Mainz. Altertumsvereins Bd. IV(1893 1905) S. 583 ff. Abbil- dungen der Grabsteine daselbst, ferner bei Kautzsch-Neeb, Der Dom zu Mainz Tafel 47,