Aufsatz 
Emund Rokoch. Ein Mainzer Kaufmann und Beamter des XVII. Jahrhunderts : 6. Teil. Schluß
Entstehung
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ständnis für andere Berufsklassen. Aus die- sem Grunde tritt er dem Vorschlage des Entwurfes der neuen Müllerordnung, daß die Müller als Molter nur noch 10 bezw. 12 Pfund Frucht für das Malter erhalten sollten, entschieden entgegen; er sucht nicht einen Ausweg wie der Vicedominus, der zwischen den seitherigen 18 Pfund und den vorgeschla- genen 12 Pfund mit 15 Pfund die Mitte halten will; nein, er sagt, es müsse bei den 18 Pfund bleiben, wenn es auch die alte Müllerordnung anders vorschreibe. Für die Müllerknechte beansprucht er zwei Kr. beim Malter Frucht; er wagt es also, für diese einen höheren Lohn zu beantragen, als ihn die Müller mit 1 Kr. für das Malter gefordert hatten. Rokoch kannte eben den beschwerlichen Dienst der Müllerknechte und wußte, daß 2 Kr. für das Malter Frucht keine zu hohe Vergütung ihrer Arbeit bildeten. Das Verständnis für die einzelnen Berufsklassen bedingte es auch, daß Rokoch nicht unnachgiebig an einem Grundsatze festhielt. Als Rentmeister mußte er darauf dringen, daß die Müller gerade so ihren Haushaltungsbedarf versteuerten wie Wirte, Metzger und Bäcker. Unter Berücksichtigung ihrer Verhält- nisse aber durfte er den Rat geben, ihren Molter, der ia bereits durch die Mahlgäste versteuert sei, nicht mit Abgaben zu belegen. Und schließlich, was wohl das Wertvollste ist, Rokoch ist ein Beamter, der ein Herz für seine Mit- menschen besitzt. Mit welch beweglichen Worten schildert er den geringen Verdienst und den harten Kampf ums Dasein, wie ihn die Müller führen müssen. Wie klar stellt er die Notlage derer dar, die bei Winterszeit und eingestelltem Mühlenbetrieb Frucht oder Mehl kaufen müssen. Und klingt nicht ein stiller Vorwurf über die Bevorzugung einzelner Stände aus einer Stelle seines Gutachtens? Er sagt:wann schon ein armer handtwercksman oder taglöhner endlich korn überkombt, wird Er in den Mühlen vor den hohen geistlichen und weltlichen herrn, wie itzo geschicht, beyzukommen nicht vermögen. Gibt er damit nicht der Ueberzeugung Ausdruck, daß der geringe Mann in unberechtigter Weise hinter den Privile- gierten zurückstehen müsse? Und diese Ansicht vertritt er in einem Schreiben, das an den Kurfürsten, den ersten Gönner dieser hohen weltlichen und geistlichen Herrn, gerichtet ist.

Gewiß ein Zeichen von kühnem Mannesmute und uner-

schrockener Ueberzeugungstreue!

So zeigt sich Rokoch in diesem Gutachten als einen ebenso kenntnisreichen wie praktischen Beamten, der die Interessen seines Herrn zu wahren sucht. Dabei hält er sich aber frei von einseitigem Schematisieren; gegebenen Falles