Aufsatz 
Emund Rokoch. Ein Mainzer Kaufmann und Beamter des XVII. Jahrhunderts : 1. Teil
Entstehung
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Einleitende Bemerkungen.

N // er etwa die Städte Nürnberg und Augsburg, Würzburg und Bamberg auf die vornehmen Wohnbauten des Renaissance- und Barockstils durchmustert, kann eine eigen- artige Wahrnehmung machen. Dort erinnern die palastähnlichen fläuser mit ihrer feinen Innenarchitektur an die reichen und weitbekannten Bürger, die ehedem in diesen Städten lebten und befahlen. Flier weisen die stolzen Höfe auf den Adel zurück, der vormals an diesen Orten die Kirchenfürsten umgab. Wie früher in den weltlichen Residenzen, so ragte auch in den geistlichen nur selten das Haus eines Bürgers hervor. So war es auch in Mainz. An stattlichen Gebäuden der be zeichneten Stile fehlt es nicht; aber sie sind die Zeugen eines baulustigen Adels, und ob sie ihr Entstehen einer Familie von Cronberg oder von Dalberg verdanken, ist erst in zweiter Linie wissenswert. Die Hauptsache bleibt: diese Gebäude beherbergten jene Familien, die in ihren geistlichen Mitgliedern Anwartschaft auf den erzbischöflichen Thron be sassen und dem Kurfürsten für die Regierung des Landes die obersten Beamten lieferten. Und doch finden sich auch in Mainz zwei Häuser, welche das Andenken an eine ein- flussreiche und selbstbewusste Bürgerfamilie festhalten. So vereinzelt wie diese Gebäude in Mainz dastehen, so einzig ist die Bedeutung jenes Mannes, der sie erbaute. Emund Rokoch, der den heutigen König von England und römischen Kaiser aufführte, hat seinesgleichen in der Mainzer Geschichte nicht mehr. Wohl gemahnt er in manchen Beziehungen an die alten Geschlechter, und doch trennt ihn wiederum so vielerlei von diesen. Er ist selbständiger Geschäftsmann und abhängiger Beamter. Seine kaufmännischen Fähigkeiten, seine Geschäftsgewandtheit und sein organisatorisches Talent kamen in Mainz zur vollen Entfaltung. Seine kaufmännischen Fähigkeiten begründeten seinen erstaunlichen Reichtum. Seine Geschäftsgewandtheit führte ihn in die Reihe der Ratsfreunde. Und sein organisatorisches Talent lenkte die

Blicke des Kurfürsten Johann Philipp auf ihn. Als einfacher 1*