Aufsatz 
Dem Kaiser Friedrich III. zum Gedächtnis : (30. Juni 1888.) / L. Kaiser
Entstehung
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gewinnen, so war es die stille Geduld, mit der er sein qualvolles Leiden getragen, der uner- schütterliche Mut, mit dem er dem langsam heranschleichenden Tod festen Auges, ohne Zagen und Klagen entgegengesehen hat. Die Kraft, zu leiden ohne zu klagen, umgiebt das Bild des Königlichen Dulders mit einem Scheine überirdischer Verklärung. Möge er sanft ruhen, dort in der stillen Friedenskirche zu Potsdam, die er selbst sich zur Ruhestätte auserkoren hat.

Wenden wir den Blick vom Tode zurück zum Leben. Kaiser Friedrich hat das Scepter niedergelegt in die Hand seines Sohnes, unseres nunmehrigen Kaisers und Königs Wilhelm: auf ihn übertragen wir die dem Vater geschuldete Dankbarkeit, die Gefühle unwandelbarer Liebe und Treue. Im vollen Bewusstsein von der Schwere der Last, die auf seine jungen Schultern gelegt ist, im festen Vertrauen auf Gottes Hilfe und die Treue seines Volkes hat er den Thron bestiegen und feierlich gelobt, nach dem Beispiele seiner Väter seinem Volke ein gerechter und milder Fürst zu sein, eingedenk des Wortes seines grossen Ahnherrn:Der König ist der erste Diener des Staates. Um seinen Thron haben sich in diesen Tagen versammelt die Abgeordneten des Landes, die Vertreter und Fürsten des Reiches, um Zeugnis abzulegen, dass die Treue nicht wankt unter den schweren Schlägen, welche das Vaterland getroffen haben. Darum geloben auch wir in dieser ernsten Stunde, dass wir allezeit, in guten wie in bösen Tagen, treu stehen wollen zu unserem Kaiser und König, dass auch wir dem erhabenen Beispiele unseres Hohenzoller'schen Fürstenhauses folgend gewissenhaft unsere Pflicht erfüllen wollen, ein jeder auf dem Platz, dahin er gestellt ist. Bewähren wir die Aufrichtigkeit einer solchen Gesinnung durch die That, dann tragen auch wir das Unsere dazu bei, dass es wohl stehe um Kaiser und Reich, dann dürfen wir mit gerechter Zuversicht erhoffen die Erfüllung des Wunsches:

Gott schütze, segne und erhalte unseren Kaiser und König Wilhelm!