Aufsatz 
Wirtschaftliches im altsprachlichen Unterricht / von Dr. P. Schott
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15.

Zwecke brauchbar sind, nicht bestimmend sein; es kommen andere nicht minder wichtige Gesichtspunkte in Betracht. Immer aber bleibt darauf zu achten, dass das Entstehen, der Verlauf, der Ausgang des Kampfes zwischen Athen und Macedonien unverständlich bleibt ohne Kenntnis von den wirtschaftlichen Motiven, die mit hineinspielen. Auch ein Einblick in das athenische Parteiwesen zur Zeit des Demosthenes und in die Klassen- verhältnisse, auf denen es fusst, ist zum Verständnis unerlässlich.

Wie viel aus Platos Staat herausgeholt werden kann und muss, liegt auf der Hand. Er wird aber leider selten gelesen. Doch bietet Plato auch sonst durch die anschaulichen Bilder des täglichen Lebens in Athen, die sich bei ihm auftun, die manigfachste Anregung.

Bedauerlich ist, dass des Isokrates Areopagiticus auf der Schule so selten gelesen wird. Die an sich durchaus nicht wertlose Rede lässt sich von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus vortrefflich ausbeuten. Das Vorurteil, das von römischen Verhält- nissen ausgehend, den Anteil der Sklaverei am athenischen Wirtschaftsleben zu hoch, den der freien Lohnarbeit zu niedrig bemisst, lässt sich an der Hand des Areopagiticus haarscharf widerlegen.

Ich bin am Ziel. Der Überblick über den altsprachlichen Unterricht, das oben skiz- zierte Beispiel aus der Praxis dürften die Richtigkeit der aufgestellten Behauptungen ergeben haben. Ich fasse nochmals zusammen: 1) Aus dem altsprachlichen Unterricht lässt sich eine Fülle wirtschaftlicher Belehrungen schöpfen; er ist für die staatsbürger- liche Erziehung von unmittelbarstem Werte. 2) Diese Belehrungen werden nicht an den Haaren herbeigezogen, sie entspringen aus der Notwendigkeit des Unterrichtes; ohne sie kann er nicht seine volle erziehliche Kraft entfalten. 3) Einige Bedenken, die für wirtschaftliche Belehrungen im allgemeinen bestehen, fallen für den altsprachlichen Unter- richt weg; er ist für wirtschaftliche Belehrungen besonders geeignet. Und deshalb noch einmal: Nicht staatsbürgerliche Erziehung statt des altsprachlichen Unterrichtes, sondern staatsbürgerliche Erziehung auch im altsprachlichen Unterricht und durch den altsprach- lichen Unterricht!

Dr. Schott.