Aufsatz 
Beiträge zur Kenntnis der diluvialen Flußschotter im westlichen Rheinhessen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Flüsse liegen? Denn es muss natürlich als ausgeschlossen gelten, dass das Bodenrelief des heutigen Rheinhessens damals in seiner jetzigen Form vorhanden sein konnte. Wir müssen vielmehr annehmen, dass unser ganzes Gebiet in der ältesten Diluvialzeit eine weite Ebene, welche im Mittel 200 m und mehr über dem Meeresspiegel lag, darstellte. Die Flüsse wie Apfel- und Wiesbach, Alsenz und Nahe nebst den dazu gehörigen Seitengewässern müssen im trägen Laufe, der oft seine Richtung wechselte, über dieselbe weggegangen sein. Ihr lang- sames Fliessen verursachte, dass sie nur verhältnismässig kleinere Geschiebe absetzten. Die humosen Lehme und Sande die öfters mit den Deckenschottern wechsellagern, deuten auch daraufhin, dass die Gewässer bei geringem Gefälle Neigung zur Bildung sumpfigen Geländes zeigten.

Nördlich Gau-Bickelheim auf dem rechten Ufer des Wiesbaches erhebt sich steil aus dem Tale der Wiesberg 265 m hoch. Nehmen wir an dem Westrande des auf seinem Gipfel sich ausbreitenden Plateau unsern Standpunkt, so sehen wir in südwestlicher Richtung die Berge der Nordpfalz und den hoch über sie hinausragenden Donnersberg; im Westen gewahren wir die Höhen, welche die Umgebung von Kreuznach bilden und wie diese sich nach Nord- westen an den höhern Hunsrück anschliessen. Wenden wir unsern Blick nach Süden und Osten, so bemerken wir eine Anzahl von Bergen, welche sich vom Donnersberg in fast un- unterbrochener Reihenfolge dem rechten Ufer des Wiesbaches entlang bis zum Rochusberg bei Bingen hinziehen. Diese Gebirge haben einst den Rahmen gebildet, der unsere Diluvial- ebene einschloss. Denken wir uns nun in dem so umgrenzten Landstriche die heute darin vorkommenden Täler mit Erde vollständig ausgefüllt, so würde vor unserm geistigen Auge jene Diluvialebene erscheinen. Wir würden den Nahefluss aus einem engen, aber wenig tief in das Gebirge eingeschnittenen Tale zwischen Rheingrafenstein und der Gans einerseits und dem Rotenfels andererseits in die Ebene eintreten sehen und wir könnten beobachten, wie sie nun ihren Lauf zwischen flachen Ufern in einem nach Osten gerichteten Bogen in der Richtung nähme, welche durch die Höhen Kuhberg, Galgenberg, Bosenberg und Weilenberg angedeutet wird. Wir würden gewahren, dass die Alsenz in der Gegend, welche durch die Linie Hacken- heim Bosenheim bestimmt wird, in dieselbe mündete, wogegen Apfel- und Wiesbach nicht, weit von einander getrennt oder vielleicht mit gemeinsamer Mündung auf der Linie Pfaffen- schwabenheimSprendlingen die Nahe erreichen würden. Wir könnten ferner von unserem Standpunkte aus sehen, dass diese alte Naheebene im Osten durch eine flache Bodenwelle aus tertiären Kalksteinen und Sanden bestehend von dem Flachlande des übrigen Rheinhessens geschieden würde, und wie von dieser niedrigen Erhebung kleinere Bäche durch Regen- güsse und Schneeschmelze angeschwollen, Kalkgerölle, Sande nnd Bohnerze dem Wiesbach zuführten.

Wir gingen oben von der Annahme aus, dass im unteren Nahetal zwischen Kreuznach und dem Rochusberge bei Bingen nach Ablagerung der Deckenschotter Einbrüche in der Erd- rinde stattgefunden hätten. Dies musste aber zur Folge haben, dass die Nahe, der Apfel- und Wiesbach nebst ihren Seitengewässern ein stärkeres Gefälle erhielten. Sie flossen von nun an nicht mehr in breiter Ebene dahin wie früher, sondern sie nahmen jetzt ihren Weg durch tiefere Rinnen, welche sie nach und nach in das Gelände von ihrem unteren Lauf gegen die Quelle aufwärts vorrückend, einschnitten. Anfänglich mögen diese Rinnen nur von geringer Breite gewesen sein, was man noch heutigen Tages an solchen Stellen zu erkennen vermag, wo diese Flüsse ihren Lauf durch Eruptivgesteine nahmen, wie z. B. die Nahe und die Alsenz bei Münster am Stein, der Apfelbach zwischen Neu-Bamberg und Wöllstein, und der Wies- bach an derTeufelsrutsch oberhalb Wendelsheim. Wo sie aber durch die mürben Sand- steine und die weichen Schieferletten des Rotliegenden, oder wo sie durch tertiäre Sande und