Aufsatz 
Beiträge zur Kenntnis der diluvialen Flußschotter im westlichen Rheinhessen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

sand zwischen Alzey und Kreuznach, Taf. II, Fig. 8), während auf dem Galgenberg der Cyrenen- mergel ihre Unterlage bildet. Eine Fortsetzung dieser Naheschotter finden wir auf dem Bosen- berge, sowie in sehr mächtiger Entwicklung auf dem nördlich davon gelegenen Weilenberg zwischen Planig und Biebelsheim. An beiden Lokalitäten bedecken sie die Cyrenenmergel und zwar auf dem Bosenberg in einer Höhe von 225 m, während sie auf dem Weilenberg ihre höchste Erhebung bei 175 m haben. Beachtenswert ist, dass auf beiden Bergen, die durch eine tiefe Rinne von kaum 400 m Breite von einander getrennt sind, gleichaltrige Schotter desselben Flusses in ihrer Höhenlage eine Differenz von 30 m aufweisen. Die Nahe konnte unmöglich auf so kurze Entfernung ein so starkes Gefälle besitzen, um dabei ihre Gerölle so abzulagern, wie wir es hier in der Tat vor uns sehen. Es kann die Ursache für den auf- fallenden Unterschied in der gegenseitigen Lage obiger Gesteine nur in tektonischen Störungen, welche die Erdrinde in diesem Gebiete betroffen haben, gefunden werden. Auch eine andere Betrachtung führt uns zu derselben Annahme, dass das untere Nahetal zwischen den Bergen in der Umgebung von Kreuznach und dem Rochusberg bei Bingen der Schauplatz von Störungen und Senkungen, welche die Oberfläche der Erde betrafen, gewesen sein muss.

Wir sahen nämlich, dass zwischen Rheingrafenstein und Hackenheim die ältesten Nahe- schotter bei 200 und mehr m Höhe auf Septarienton liegen. Nun hat aber Weinkauff im Jahre 1859 bei Anlage des Planums des Bahnhofs Kreuznach(Höhe des Planums von Bahnhof Kreuznach= 103,86 m) ächten Septarienton mit der Leitmuschel Leda Deshayesiana Duch, daselbst nachgewiesen. Es liegt also hier der Septarienton mehr als 100 m tiefer wie bei Hackenheim und in den Kiesgruben auf dem Kuhberg. Offenbar können die Septarientone des Kreuznacher Bahnhofes nur durch Absinken in die Tiefe in ihre heutige Lage gelangt sein. Bestärkt werden wir in dieser Auffassung durch Beobachtungen, welche Steuer im verflossenen Jahre ¹) bei Bohrversuchen nach Wasser in der Naheebene bei Planig, 1 Stunde nördlich von Kreuznach, machte. Er stiess hier unter dem Diluvium der Niederterrasse der Nahe auf gelb- liche Tone, die ich nur für die obersten Schichten des in der Umgegend von Kreuznach und in dem westlichen Rheinhessen so weit verbreiteten Septarientons halten kann. Die Cyrenen- mergel, welche das Hangende der Septarientone bilden, besitzen im westlichen Rheinhessen eine grosse Ausdehnung. Auch kommen sie unterhalb Kreuznach auf dem linken Ufer der Nahe an verschiedenen Orten vor. Bedenkt man nun, dass sie vorzugsweise das Liegende unserer bisher betrachteten Naheschotter abgeben, so ist wohl die Annahme zu rechtfertigen, dass die Cyrenenmergel êinmal eine zusammenhängende Decke bildeten, welche sich in einer Höhe von 200 und mehr m über das untere Nahetal, sowie über das ganze westliche Rhein- hessen ausdehnte. Unmittelbar nach der Ablagerung der ältesten Naheschotter muss nun teil- weises Einsinken der Cyrenenmergel und der sie unterlagernden Septarientone erfolgt sein. Es war nun der Nahefluss gezwungen, sich ein anderes Bett aufzusuchen, und durch Erosion wurden die jetzt tiefer liegenden Cyrenenmergel gänzlich weggeführt, so dass wir heute die Rinne des Flusses unterhalb Kreuznach zum teil in dem Septarienton eingeschnitten sehen.

Da die hier besprochenen Flussablagerungen im westlichen Rheinhessen deckenartig auf den Höhen des Landes ausgebreitet liegen, so wollen wir sie mit dem auch sonst in der Geologie gebräuchlichen Ausdrucke alsDeckenschotter bezeichnen, im Gegensatze zu den Terrassenschottern, welche die Talgehänge der Flüsse bedecken. Es entsteht nun die Frage, woher kommt es, dass diese Deckenschotter auf den Gipfeln der steilsten Berge und auf den breiten Rücken der höchsten Hügel 100 und mehr m über dem Wasserspiegel der heutigen

¹) Über geologische Vorarbeiten für die Trinkwasserversorgung einiger Orte in Rheinhessen von A. Steuer. Notizblatt des Vereins für Erdkunde zu Darmstadt.