III. Das Tertiär.
Alle seither besprochenen Gesteine werden an vielen Stellen von tertiären Ablagerungen be- deckt. Man findet dieselben auf dem Rothliegenden bei Wendelsheim, Steinbockenheim und Fürfeld; bei Wonsheim liegen sie theilweise auf dem Melaphyr; die Porphyre von Wonsheim, Siefersheim, Wöllstein, Neubamberg und Freilaubersheim sind zum grössten Theil, oft bis zu den höchsten Punkten, von Meeresabsätzen überlagert. Diese Bildungen sind ein Theil des Mainzer Tertiärbeckens, das hier, wie es scheint, einen weit nach Westen sich erstreckenden Meerbusen in das Land sandte. In Bezug auf ihr Alter werden sie dem Mitteloligocän Norddeutschlands gleichgestellt. Ihre Meereshöhe schwankt zwischen 125— 250, woraus hervorgeht, dass nach der Ablagerung derselben eine gewaltige Hebung dieses Gebiet betroffen haben muss, wodurch dieselben auf ihr jetziges Niveau kamen.
Von den verschiedenen Schichten, die das Mainzer Tertiärbecken zusammensetzen, kommen hier nur der Meeressand und der Meeresthon vor, die aber, da sie als gleichzeitige Bildungen ange- sehen werden müssen, auf der Karte nicht unterschieden worden sind.
E. Der Meeressand.
Der Ausdruck Sand im Allgemeinen bezeichnet eine Anhäufung von feineren oder gröberen Quarz- körnchen; dagegen versteht man unter dem Meeressand ein Haufwerk von kleineren oder grösseren Ge- röllen, die je nach der Localität aus ganz verschiedenartigem Material gebildet sein können. Dies rührt daher, dass der Meeressand aus der Zertrümmerung derjenigen Gesteine hervorgegangen ist, über welchen man ihn gelagert findet. Die grössten Massen stammen von den Porphyren her, die zur Tertiärzeit in unserem Gebiete viele Inseln und Klippen gebildet haben müssen. Von Farbe sind die Meeressande meist braun oder weiss; diejenigen, die-aus der Zerstörung des Melaphyrs hervorgingen, sind dunkel gefärbt. So mannigfaltig sich nun auch der Meeressand in Bezug auf Zusammensetzung und Farbe zeigt, so gleichmässig ist er in Betreff der ihn charakterisirenden und in ungeheurer Menge in ihm vorkommenden Versteinerungen. Am häufigsten sind Ostrea callifera Lam.(oft von ausserordentlicher Grösse) und Ostrea cyathula Lam. Andere durch ihr massenhaftes Auftreten be- merkenswerthe Versteinerungen sind: Pecten pictus Goldf., Perna Sandbergeri Desh., Pectunculus obovatus Lam., Pectunculus angusti- costatus Lam. und verschiedene Arten von Cerithium.
In der Sandgrube von Eckelsheim kommen folgende Species vor: Cytherea splendida Mer., Cyprina rotundata A. Br., Isocordia subtransversa d'Orbg., Cardium tenuisulcatum Nyst., Lucina tenuistriata Heb., Pecten inaequalis, Pecten pictus Goldf., Ostrea callifera Lam. und Ostrea cyathula Lam.
Ausser Mollusken sind in dem Meeressande dieser Gegend noch die Ueberreste eines Säuge- thiers(Halianassa Collini v. Meyer) besonders häufig. An vielen Orten findet man Rippen und Wirbel- knochen desselben in Menge; in Wendelsheim grub man vor mehreren Jahren in einer Hofraithe ein ganzes Skelet aus.
Von Fischen sind die Zähne von Lamna cuspidata Ag., im Volksmunde Vogel- oder Otter- zungen geheissen, zu erwähnen. Korallen kann man besonders schön in den Sandgruben bei Siefers- heim sehen.
Der Meeressand, der an und auf den Porphyren bei Wonsheim, Siefersheim und Neubamberg liegt, ist ganz besonders dazu geeignet, die Verhältnisse desselben kennen zu lernen. An dem Fuss der hier vorkommenden Berge bilden Austernschalen eine fast ununterbrochen um dieselben sich herumziehende Felsbank von 0,5— 1 Met. Dicke. Dieselbe sitzt entweder unmittelbar auf dem Porphyr


